 zugemacht und abgeschickt; aber noch nicht
geschlossen. - Wüsstest Du, was mich bei diesen einfachen Erzählungen oft für
Unruhe und Schmerzen befallen! - Es scheint Dir alles nur so hingeschrieben, wie
erlebt, ja! - Aber so manches seh ich und denke es, und kann es doch nicht
aussprechen; und ein Gedanke durchkreuzt den andern, und einer nimmt vor dem
andern die Flucht, und dann ist es wieder so öde im Geist wie in der ganzen
Welt. Der Schäfer meinte, Musik schütze vor bösen Gedanken und vor Langeweile;
da hat er recht, denn die Melancholie der Langeweile entsteht doch nur, weil
wir uns nach der Zukunft sehnen. In der Musik ahnen wir diese Zukunft, da sie
doch nur Geist sein kann und nichts anderes, und ohne Geist gibt es keine
Zukunft; wer nicht im Geist aufblüht, wie wollte der leben und Atem holen? -
Aber ich habe mir zu Gewaltiges vorgenommen, Dir von Musik zu sagen; denn weil
ich weiß, dass ihre Wahrheit doch nicht mit irdischer Zunge auszusprechen ist. So
vieles halte ich zurück, aus Furcht, Du möchtest es nicht genehmigen, oder
eigentlich, weil ich glaube, dass Vorurteile Dich blenden, die Gott weiß von
welchem Philister in Dich geprägt sind. Ich habe keine Macht über Dich, Du
glaubst Dich an gelehrte Leute wenden zu müssen; und was die Dir sagen können,
das ist doch nur dem höheren Bedürfnis im Wege; o Goethe, ich fürchte mich vor
Dir und dem Papier, ich fürchte mich aufzuschreiben, was ich für Dich denke.
    Ja, das hat der Christian Schlosser gesagt: Du verstündest keine Musik, Du
fürchtest Dich vor dem Tod und habest keine Religion, was soll ich dazu sagen? -
Ich bin so dumm wie stumm, wenn ich so empfindlich gekränkt werde. Ach Goethe,
wenn man kein Obdach hätte, das vor schlechtem Wetter schützt, so könnte einem
der kalte lieblose Wind schon was anhaben, aber so weiß ich Dich in Dir selber
geborgen; die drei Rätsel aber sind mir eine Aufgabe. Ich möchte Dir nach allen
Seiten hin Musik erklären, und fühl doch selbst, dass sie übersinnlich ist und
von mir unverstanden; dennoch kann ich nicht weichen von diesem Unauflösbaren
und bete zu ihm: nicht, dass ich es begreifen möge; nein, das Unbegreifliche ist
immer Gott, und es gibt keine Zwischenwelt, in der noch andere Geheimnisse
begründet wären. Da Musik unbegreiflich ist, so ist sie gewiss Gott; dies muss ich
sagen, und Du wirst mit Deinem Begriff von der Terz und der Quint mich
auslachen! Nein, Du bist zu gut, Du lachst nicht; und dann bist Du auch zu
weise; Du wirst
