 dass ich freier war, da regte es
mich an, das, was vielleicht keiner beachtet, zu beachten; da besann ich mich,
ob ich denn wirklich mit Dir spreche, oder ob ich nur mich von Dir hören lasse?
- Ach Goethe! - Musik, ja Musik! Hier kommen wir wieder auf das heilige Kapitel,
- da hören wir auch zu, aber wir sprechen nicht mit, - aber wir hören, wie sie
untereinander sprechen, und das erschüttert uns, das ergreift uns; - ja sie
sprechen untereinander, wir hören und empfinden, dass sie eins werden im
Gespräch. - Drum, das wahre Sprechen ist eine Harmonie, ohne Scheidung alles in
sich vereint; - wenn ich Dir die Wahrheit sage, so muss Deine Seele in meine
überfliessen, - das glaub ich.
    Wo kommen sie her, diese Geister der Musik? - Aus des Menschen Brust; - er
schaut sich selber an, der Meister; - das ist die Gewalt, die den Geist zitiert.
Er steigt hervor aus unendlicher Tiefe des Inneren, und sie sehen sich scharf
an, der Meister und der Geist, - das ist die Begeisterung; - so sieht der
göttliche Geist die Natur an, davon sie blüht. - Da blühen Geister aus dem
Geist; sie umschlingen einander, sie strömen aus, sie trinken einander, sie
gebären einander; ihr Tanz ist Form, Gebild; wir sehen sie nicht - wir
empfinden's und unterwerfen uns seiner himmlischen Gewalt; und indem wir dies
tun, erleiden wir eine Einwirkung, die uns heilt. - Das ist Musik.
    O, glaub gewiss, dass wahre Musik übermenschlich ist. Der Meister fordert das
Unmögliche von den Geistern, die ihm unterworfen sind, - und siehe, es ist
möglich, sie leisten es. - An Zauberei ist nicht zu zweifeln, nur muss man
glauben, dass das Übermächtige auch im Reich der Übermacht geleistet werde, und
dass das Höchste von der Ahnung, von dem Streben desjenigen abhänge, dem die
Geister sich neigen. Wer das Göttliche will, dem werden sie Göttliches leisten.
Was ist aber das Göttliche? - Das ewige Opfer des menschlichen Herzens an die
Gottheit: - dies Opfer geht hier geistigerweise vor; und wenn es der Meister
auch leugnet, oder nicht ahnt, - es ist doch wahr. - Erfasst er eine Melodie, so
ahnt er schon ihre Vollkommenheit, und das Herz unterwirft sich einer strengen
Prüfung, es lässt sich alles gefallen, um dem Göttlichen näherzukommen; je höher
es steigt, je seliger; und das ist das Verdienst des Meisters, dass er sich
gefallen lasse, dass die Geister auf ihn eindringen, ihm nehmen, sein Ganzes
vernichten
