 und glaubst an mich und gibst mir
in der Stille recht. - Ich habe oft darüber nachgedacht, dass der Geist nicht
kann, was er will, dass eine geheime Sehnsucht in ihm verborgen liegt, und dass er
die nicht befriedigen kann; zum Beispiel, dass ich eine große Sehnsucht habe bei
Dir zu sein, und dass ich doch nicht, wenn ich auch noch so sehr an Dich denke,
Dir dies fühlbar machen kann; ich glaube, es kommt daher, weil der Geist
wirklich nicht im Reich der Wahrheit lebt und er also sein eigentliches Leben
noch nicht wahrmachen kann, bis er ganz aus der Lüge heraus in das Reich der
Offenbarung übergegangen ist; denn die Wahrheit ist ja nur Offenbarung, und dann
wird sich ein Geist auch dem andern zu offenbaren vermögen. Ich möchte Dir noch
anderes sagen, aber es ist schwer, mich befällt Unruh, und ich weiß nicht wohin
ich mich wenden soll; ja, im ersten Augenblick ist alles reich, aber will ich's
mit dem Wort anfassen, da ist alles verschwunden, so wie im Märchen, wo man
einen kostbaren Schatz findet, in dem man alle Kleinode deutlich erkennt, will
man ihn berühren, so versinkt er, und das beweist mir auch, dass der Geist hier
auf Erden das Schöne nur träumt und noch nicht seiner Meister ist, denn sonst
könnte er fliegen, so gut wie er denkt, dass er fliegen möchte. Ach wir sind
soweit voneinander! Welche Tür ich auch öffne und sehe die Menschen beisammen,
Du bist nicht unter ihnen; - ich weiß es ja, noch eh ich öffne, und doch muss ich
mich erst überzeugen und empfinde die Schmerzen eines Getäuschten; - sollte ich
Dir nun auch noch meine Seele verbergen? - oder das, was ich zu sagen habe,
einhüllen in Gewand, weil ich mich schäme der verzagten Ahnungen? - Soll ich
nicht das Zutrauen in Dich haben, dass Du das Leben liebst, wenn es auch noch
unbehilflich der Pflege bedarf, bis es seinen Geist mitteilen kann? - Ich habe
mir große Mühe gegeben mich zu sammeln und mich selbst auszusprechen; ich hab
mich vor dem Sonnenlicht versteckt, und in dunkler Nacht, wo kein Stern leuchtet
und die Winde brausen, da bin ich in die Finsternis hinaus und hab mich
fortgeschlichen bis zum Ufer; - da war es immer noch nicht einsam genug, - da
störten mich die Wellen, das Rauschen im Gras, und wenn ich in die dichte
Finsternis hineinstarrte und die Wolken sich teilten, dass sich die Sterne
zeigten, - da hüllte ich mich in den Mantel und legte das Gesicht an die Erde,
um ganz, ganz allein zu sein; das stärkte mich,
