 herum, ihr seidnes Haar, früher mir köstlichen
Salben getränkt, flattert dem Winde preisgegeben, sie leidet vielleicht Hunger!«
Gottold: »Wie sinnlich ist dieses Mitleid; ihr Hunger, ihre verlassene Lage
bewegt nicht mein Herz, aber wohl fühle ich innige Rührung um sie, da sie in
Schwelgerei und Vollgenuss schwer an den ewigen Schätzen darbte, ihr Inneres so
traurig verwahrlost ward.« - Eduard brachte das Gespräch wieder auf die
Schönheit zurück. »So ist es ausgemacht,« sagte der Fürst, »dass im Altertum die
Quelle künstlerischer Schöpfung die Natur in ihrer sich selbst genügenden Fülle
war, indes sie bei uns in der Offenbarung besteht.« Gottold: »Ein vielsinniges,
oft missverstandenes Wort!« Der Fürst: »Wollen wir dafür setzen: Traum,
Eingebung, Abstraktion, kurz, ein geistiges Prinzip, das, wenn der Künstler
seine Aufgabe recht bedenkt, eigentlich dem Meissel wie dem Pinsel ganz
entschlüpft.« Der Graf: »Durchaus; denn wo Körper ist, ist Sünde, und die
Abzeichen einer gefallenen Natur dürfen wir dem Gotte nicht zusprechen; die
Begriffe von Schönheit sind alle viel zu sinnlich, um da Stand zu halten, wo das
Übersinnliche eintritt. Blut, Leben, Leib, Sünde, hat immerdar den Körper der
Poesie ausgemacht. - Mit einer Berechnung lässt sich nichts anfangen, das Symbol
ist nur Zahl, der abstrakte Begriff ein Fazit, das ein geschickter logischer
Rechenschüler seinem Meister nachrechnet; die Gestalt aber ist ein vom Himmel
gefallener Funke, zündend, gewaltig, geheimnisvoll, wie der verschleierte Gott
selbst, aller menschlichen Forschung verborgen, die Schöpfung eines lebenden
Nervs, das Ergebniss des bewegten Bluts! Träumer, Schwärmer, Fanatiker haben eine
Kirche, Philosophen keine; ein wahrer Künstler gehört aber immer mehr zu den
ersteren, zu den leztern nie.« Er wandte sich und ging, und Gottold sagte: »Auch
ein trauriger Irrtum, dem unsere Zeit sich zuwendet.« Der Fürst: »Der Graf hat
Recht; ich sehe den Verfall der Kunst in ihrer Vergeistigung.« Gottold
erwiderte: »Freilich sollen wir den Geist wiederum erlösen, den die Alten in
Bande, wenn gleich in schöne, fesselten; auch wir müssen die Natur studieren,
doch nicht sie allein, da sie zugleich mit dem Menschen eine gefallene und
verderbte ist.« Ein leiser Hohn zuckte hier über die Lippen des Herzogs, er
brach das Gespräch schnell ab und ging auf rein religiöse Gegenstände über;
Gottold sprach warm und kräftig, und Eduard bemerkte, wie ein aufdämmerndes,
ernstes Nachdenken die Stirn des Herzogs umschattete. Erst spät trennte man
sich. -
    Robert hatte vom Fürsten die Erlaubnis erhalten, Eduarden der Prinzessin
Braut vorzustellen. Sie fanden
