 und kniete andächtig nieder und sah die entsetzliche
Verwandlung nicht. Schuldlos lächelnde Knabengesichter, blühende Mädchenköpfe
blickten vom Chor hernieder; vor dem Allerheiligsten stand jedoch der
fürchterliche Blasse und sang schamlos wahnsinnige Lieder in andächtigen Tönen
ab. Eine dreimonatliche Krankheit hielt mich am Lager fest, in den
fürchterlichsten Krämpfen drohten meine entzündeten Sinne unterzugehen, als
endlich die aufstrebende Natur siegte, die Krisis vorüberging, lag ich auch,
eine kalte Leiche, da, mit einem Herzen, das nichts mehr bewundern, nichts mehr
lieben konnte. Mein Auge war entsiegelt, was Tausende von Menschen in ihrer
Blindheit fesselte, hatte auf mich seine Macht ewig verloren; ich sah das
höhnende Gerippe durch die bunten Fratzen durch, mit denen die schmeichelnden
Sinne, der Wahnsinn und die Torheit es umkleiden. Als ich genesen, führte der
bleiche Bruder mich nun immer weiter auf die eisige Höhe der Erkenntnis; ich sog
von seinen Lippen den schneidenden Spott, die kalte Verachtung, den schlafmüden
gähnenden Überdruss mit Begierde ein; ich verachtete die schwachen Seelen,
welche dem Wurme gleich sich krümmten unter den Tritten eines tyrannischen
Geschicks; mich mochte sein plumper eiserner Fuß zertreten, was lag daran, wusste
ich doch, dass ich dann auf ewig dem Nichts wieder dahingegeben war, aus dem ich
wider meinen Willen zu Qualen hervorgerufen worden. Ich konnte in meiner
Überzeugung mich nicht einmal zu dem Glauben eines Lehrers zwingen, als
beherrsche den Menschen ein böses, tückisches Wesen; wie möchte ein solches
Freude daran haben, mit einem Geschöpfe zu spielen, das wie ein läppisches
Uhrwerk sich selbst überlassen, zeitig genug an seiner eigenen Erbärmlichkeit
sich aufrieb und vernichtete. Die Träne der glühendsten Andacht, ist sie mehr
als das Werk eines durch Sinnlichkeit und Eitelkeit hervorgekitzelten Nervs, ist
sie etwas edleres, als das Lächeln auf der Lippe eines Wollusttrunkenen?« -
    Der Graf hatte geendet und lag zusammengesunken da, der Herzog träumte vor
sich hin; Eduards Seele war ganz Leben und Bewegung, er glaubte einen Blick in
das Innere des wunderbaren Mannes getan zu haben, und seine Überzeugung war,
dass der Graf seine eigene Geschichte vorgetragen habe, er wollte ihn mit einer
Rede voll Glauben und Frühlingswärme ansprechen, da richtete jener das Auge auf
ihn und jener matte, Überdruss blickende Strahl fiel entkräftigend in seine
Seele. Selbst Jokonde erschrack vor diesem Blicke, und fragte schnell, ob der
Graf nicht noch eine Tasse Tee befehle, oder ob sie, um die Gesellschaft zu
erheitern, etwas spielen solle. Der Graf nickte und der Herzog sprang auf, um
einen dankenden Kuss auf die Stirne des schönen Mädchens zu drücken. Massiello
nahm förmlich Abschied, und führte zur Entschuldigung an, wie er jetzt gerade ein
altes, höchst seltsames Liebeslied dichten wolle, welches in
