 in der größten Spannung, denn der Graf
hatte versprochen, heute ein kleines Manuskript vorzulesen. Als er jetzt die
Worte: Italien, Schweiz hörte, riss er sich fast gewaltsam vom sprechenden Abt
los und trat an den Teetisch, eben als der Erzähler langsam und mit zuckenden
Lippen die Worte sprach: »Es geht mir nichts über die pikante Fäulnis Roms,
dieses ewigen Juden unter den Städten, diese Stadt, die nicht sterben kann, so
tief sie auch von der Last des menschlichen Elends gebeugt worden. Die
Geschichte dieser armen Roma ist die Geschichte eines Menschen, der an einen
Gott geglaubt hat, und dem nun jede Stunde spottend zuruft: du hast geirrt, es
gibt keinen!« Diese Worte fielen brennend in Eduards Seele, er fuhr lebhaft auf,
um etwas zu erwidern, als Jokonde ihm eine Tasse Tee hinreichte, und zum Grafen
sagte: »Hier ist ein junger Mann, der auch in Rom gewesen ist, und dem, so wie
mir, die Makaroni's vortrefflich geschmeckt haben.« Der Graf warf einen kurzen,
matten Blick auf den Jüngling, und dieser hätte vor Verdruss weinen mögen, dass
das dienstwillige Fräulein ihm so täppisch die Makaroni in den Mund schob. Der
Herzog trug jetzt Stühle herbei, und der Graf, indem er ein paar Blätter aus dem
Busen zog, sagte zu diesem:
    »Eure Durchlaucht haben es Ihrer großen Gnade, mit der Sie mich beehren,
zuzuschreiben, wenn diese Mitteilungen Sie etwa belästigen sollten. Es sind
Bekenntnisse eines Freundes, von dem ich nicht entscheiden will, ob ich ihn für
glücklich oder unglücklich halte. Das Lebensrätsel lässt viele Deutungen zu.
Mein Freund war bestimmt, ein Geistlicher zu werden, und in diesem Aufsatz wird
sein Eintritt in's Klosterleben geschildert.« - Eine Pause herrschte, und der
Graf erhob seine Stimme indem er folgende Worte las:
    »Alle menschliche Größe ist Lüge, alles Hohe und Heilige ein läppischer
Selbstbetrug! Die wilde Naturflamme der Sinnlichkeit bläst üppige farbige Kugeln
vor sich hin, die wir Tugend, Glauben, Wahrheit nennen, und die im nächsten
Augenblick zerplatzen. Die Seele ist die Krankheit des Leibes, die Lügnerin, die
ihm einen Himmel vorspottet, und ihn aus sich und seiner Bestimmung reißt; diese
Bestimmung aber ist, zu keimen, zu wachsen, tierisch hinzuträumen und wieder
spurlos zu vergehen; jeder Glaube an ein anderes Ziel, an einen andern Zweck ist
der lächerrlichste Betrug. Ich bin frühe zur Wahrheit hindurchgedrungen, und
meine Lippen tranken aus dem Giftbecher als sie noch jung waren. - - Mein Oheim,
der die Wünsche der Eltern erfüllte, brachte mich als siebzehnjährigen Knaben
in's Kloster der schwarzen Brüder. Schauerlich finster lag dieses Asyl
