 ärmlichen Sünder bewogen,
und als Wispel auf das beredteste ihn um Wiederaufnahme in sein Haus ersuchte,
konnte er sich zwar hiezu nicht verstehen, aber er versprach, ihm außer einer
Warnung, die man dem Italiener schuldig sei, keineswegs schaden zu wollen.
Hierauf verabschiedete sich Wispel mit gehörigem Anstand, er wollte Konstanzen
die Hand küssen, was jedoch höflich verbeten wurde.
    Die Gesellschaft verhehlte sich den im ganzen versöhnenden Eindruck nicht,
welchen der letzte Auftritt bei ihr zurückgelassen hatte. Bei der Gräfin selbst
war der Rückblick auf den heutigen Morgen leichter, weil seine Wirkung
wenigstens äußerlich durch so manches andere in etwas war verdrängt worden; nur
sobald Nolten ihr näher kommen wollte, wich sie schüchtern und unbehaglich aus.
Im allgemeinen, dies durfte er sich mit Recht sagen, ließ ihr Benehmen sich gar
nicht zu seinen Ungunsten auslegen, ja er konnte den tief gegründeten Keim
wirklicher Liebe nicht mehr an ihr verkennen, er hoffte eine zwar langsame, aber
unaufhaltsame Entwicklung. Nur jede Voreiligkeit, alles dringend Heftige, so
sehr dies in seinem Temperamente lag, beschloss er zu vermeiden, und wir selber
sind der Meinung, dass er dabei seinen Vorteil und die Sinnesart der Frauen von
Konstanzens Werte fein genug zu schätzen gewusst.
    Man hätte gerne noch den echten Italiener gesehen, allein der Abend nahte
stark heran, es war unwahrscheinlich, dass der Künstler noch käme, überdies
verlangte Konstanze nach Haus, und so schickte man sich denn zum Aufbruch an.
    Nolten, der den Schlitten des Grafen eine Weile rasch verfolgte, blieb mit
seinem Pferde doch bald zurück. Er hatte Zeit seinen Gedanken über den heutigen
Tag, seinen Besorgnissen und Hoffnungen stille nachzuhängen, indes der Mond mit
immer hellerem Lichte die dämmernde Schneelandschaft überschien. Was hatte sich
doch verändert in den wenigen Stunden seit er diese Wege hergeritten! um wieviel
näher war er gegen alles Denken und Vermuten seinem ersehntesten Ziele gekommen,
ja, das er wirklich schon erreicht, das er schon mit kühnen Armen umschlungen
und auf alle Zukunft für sich geweiht hatte! Je verwunderter er diese rasche
Wendung bei sich überlegte, desto stärker drang sich ihm der alte Glaube auf,
dass es Augenblicke gebe, wo ein innerer Gott den Menschen unwiderstehlich
besinnungslos vorwärts stoße, einer großen Entscheidung entgegen, so dass er, dass
sein Schicksal und sein Glück sich selber gleichsam übertreffen müssen. Er
schauderte im Innersten, er drang mit weit offenem Aug in das tiefe Blau des
nächtlichen Himmels und forderte die Gestirne heraus, seine Seligkeit
mitzuempfinden. Was doch jetzt in Konstanzen vorgehen mag! - er hätte die Welt
verschenken mögen, um dieses Einzige zu wissen, und doch pries er wieder seine
Ungewissheit, weil sie ihm vergönnte, alles zu glauben, was er wünschte. Sollte
jetzt
