 zu den neuen Sehenswürdigkeiten und ihrem
tollen Meister zurück, an dessen Art und Weise der Graf sich dergestalt erbaute,
dass die Schwester, sich mit einiger Ungeduld nach anderem umsehend, den
Vorschlag Noltens, in den mannigfaltigen Sälen hin und wieder zu wandeln, nicht
ungerne annahm. Gar bald ging ihre Unterhaltung auf eigene Verhältnisse und
Persönlichkeiten über, denn Noltens leidenschaftlich beengte und zurückhaltende
Stimmung gab Konstanzen Anlass, einen leichten Vorwurf gegen ihn auszusprechen,
den er sogleich ergriff und ins Allgemeine über sich ausdehnte.
    »Sie haben recht!« sagte er, »und nicht heute, nicht in gewissen
Augenblicken bloß bemächtigt sich meiner dieser lästige, mir selbst verhafte
Missmut; es ist keine Laune, die nur kommt und geht, es ist ein stetes unruhiges
Gefühl, dass es anders mit mir sein sollte und könnte, als es ist.«
    »Wie meinen Sie das? Sollte Ihnen Ihre Lage nicht genügen? Das wäre mir doch
kaum gedenkbar.«
    »Sprechen Sie's geradezu aus, gnädige Frau: Es wäre unbillig. Wohl, es ist
wahr, ich könnte glücklich sein, aber ich weiß nicht eigentlich zu sagen, warum
ich es nicht bin. Ich wäre undankbar, wollte ich nicht gerne bekennen, dass
während meines ganzen Lebens sich alle Umstände vereinigten, mich endlich bis zu
dem Punkte zu führen, auf dem ich jetzt stehe, in eine Lage, die mancher andere
und würdigere Mann vergebens suchte. Ein günstiges Schicksal, so grillenhaft und
misswollend es mitunter scheinen mochte, trug nur dazu bei, ein Talent in mir zu
fördern, in dessen freier Ausübung ich von jeher das einzige Ziel meiner Wünsche
erblickt hatte. Manche Arbeit ist mir gelungen, ich habe, wenn ich meinen
Freunden glauben darf, den höheren Forderungen der Kunst einiges Genüge getan,
und, was mir fast ebenso lieb sein sollte, man hat von der Zukunft größere
Erwartungen, ohne dass mir vor ihrer Erfüllung bange wäre. Ein unendliches Feld
dehnt sich vor mir aus, und wenn ich sonst an der Möglichkeit verzweifelte, die
Welt, welche sich in mir drängte, jemals in heiterer Gestaltung an das Licht
hervorzuführen, so seh ich, dass sie jetzt, sobald ich recht will, von selber
leicht und zwanglos unter meinem Pinsel sich befreit. Aber wie kommt es, dass
eben jetzt mein Fleiß und meine Lust nachlässt? Warum so manche Arbeit
angefangen, ohne sie zu vollenden? Woher die Ungeduld, sich auswärts umzutun,
überall, nur nicht in meinen vier Pfählen vor meiner Staffelei mich zu
befriedigen? Was den Künstler sonst wohl reizt und treibt und ermuntert, das ist
die Hoffnung auf die ruhmvolle Anerkennung der Verständigen, die rege Teilnahme
zunächst seiner Freunde; auch mir war dies Gefühl nicht
