
wahrhaftig. - Agnes, was geht sie dich an? Ihr konntest du dein Wort nicht
halten, du selbst hast's ihr bekannt, das hat sie krank gemacht, sie klagte
mir's den Abend. Warst du ihr ungetreu, ei sieh, dann bist du mir's doppelt
gewesen.«
    Diese letzten Worte fielen dem Maler wie Donner aufs Herz Er wütete gegen
sich selbst, und jammervoll war es zu sehen, wie dieser Mann, taub gegen alle
Vernunft, womit der Präsident ihm zusprach, sich im eigentlichen Sinne des
Worts, die Haare raufte und Worte außstieß, die nur der Verzweiflung zu vergeben
sind. Endlich stürzt er dem Schloss zu, der Präsident, voll Teilnahme, eilt
nach. Auf seinen Wink wollen einige Leute sich der Verrückten bemächtigen, aber
mit einer Schnelligkeit, als hätte sie es aus der Luft gehascht, schwingt sie
ein blankes Messer drohend in der Faust, dass niemand sich zu nähern wagt. Dann
stand sie eine ganze Weile ruhig, und nach einer unbeschreiblich schmerzvollen
Gebärde des Abschieds, indem sie ihre beiden Arme nach der Seite auswarf, wo
Nolten sich entfernt hat, wandte sie sich und verschwand zögernden Schritts in
der Finsternis.
Die Nacht ging ruhig vorüber. Agnes hatte sich gestern, noch eh der Arzt
erschienen war, unter den Bemühungen so vieler zärtlichen Hände sehr bald
erholt. Das Fräulein und die Schwägerin wichen die ganze Nacht nicht von ihrem
Bette: von Stunde zu Stunde war Nolten an die Tür getreten, zu hören, wie es
drinne stand. Gesprochen hatte das Mädchen seit gestern fast nichts, nur in
einem wenig unterbrochenen Schlummer hörte man sie einigemal leise wimmern. Am
Morgen aber nahm sie das Frühstück mit einer erfreulichen Heiterkeit aus Margots
Hand, verlangte, dass diese und Nannette sich niederlegen, und ausruhn, für sich
selber wünschte sie nichts, als allein bleiben zu dürfen. Da man ihr dies nicht
weigern durfte, so ward eine Person ins Nebenzimmer gesetzt, von welcher sie auf
der Stelle gehört und allenfalls beobachtet werden konnte.
    Noltens Unruhe und Verzagteit, solange man in Agnesens Zustand noch nicht
klar sehen konnte, ist nicht auszusprechen. Es trieb ihn im Schloss, es trieb
ihn im Freien umher, nicht anders als einen Menschen, der jeden Augenblick sein
Todesurteil kommen sieht. dabei sagt er sich wohl, dass vor allem der Präsident
eine befriedigende Erklärung des Vorfalls erwarten könne, dass er diese sich
selbst und seiner eigenen Ehre schuldig sei. Jedoch mit der edelsten Schonung
verweist ihn jener auf einen ruhigeren Zeitpunkt und gönnt ihm gerne die
Wohltat, sich in der Einsamkeit erst selbst zurechte zu finden.
    Ach, aber leider überall erstarren ihm Sinn und Gedanke, wo und wie er auch
immer das fürchterliche
