 und wenn hieran gewisse allgemein verehrte
Schönheiten der Stadt sich nicht wenig erbauten, so war es doch verdrießlich,
dass eben die geistreichsten Jünglinge sich am liebsten um diese Afrikanerin
versammelten. Die Späße der ballgerechten Stutzer waren indes, der Eifersucht
zum Troste, unerschöpflich. So hatte ein Lieutenant, der sonst eben nicht im
Geruche des witzigsten Kopfes stand, den köstlichen Einfall ausgeheckt: man
bemerke an des Präsidenten Tochter, bei genauerer Betrachtung, ein feines
Bärtchen um die Lippen, welches wohl daher komme, dass sie als Kind sich schon
von den alten Knasterbärten, den Ciceros und Xenophons habe küssen lassen, und
vergessen, sich den Mund rein zu wischen. Das Schönste war, dass Margot
dergleichen Armseligkeiten, auch wenn sie darum wusste, im geringsten nicht
bitter empfand; sie erschien bei den öffentlichen Vergnügungen, wozu freilich
mehr die Mutter als das eigene Bedürfnis sie trieb, immer mit gleich
unbefangener Heiterkeit, sogar gehörte sie bei Spiel und Tanz zu den eigentlich
Lustigen; aber indem sie Wohlgesinnte und Zweideutige ganz auf einerlei Weise
behandelte, zeigte sie, ohne es zu wollen, dass sie den einen wie den andern
missen könne. Allein auch diese unschuldigste Indifferenz legte man entweder als
Herzlosigkeit, oder Stolz aus. Agnes und selbst die leichter gesinnte junge
Schwägerin huldigten dem guten Wesen von ganzem Herzen, ohne erst noch seine
glänzendste Seite zu kennen.
    Die Mädchen saßen im Gespräch auf einer Bank und sahen jetzt einen jungen
Menschen von etwa sechszehn Jahren, gewöhnlich aber rein gekleidet und einige
Bäumchen im Scherben tragend, den breiten Weg herunterlaufen. Wie er an ihnen
vorüberkam, nickte er nur schnell und trocken mit dem Kopfe vor sich hin, ohne
sie anzusehen. Die zarte Bildung seines Gesichts, die ganze Haltung des Knaben
machte Nannetten aufmerksam, und Margot sagte: »Es ist der blinde Sohn des
Gärtners. Sie haben ihn mitleidig angesehen und es geht anfänglich jedermann so,
man glaubt ihn leidend, doch ist er es nicht, er hält sich für den glücklichsten
Menschen. Wir lieben ihn alle. Er hilft seinem Vater und verrichtet eine Menge
Gartengeschäfte mit einer Leichtigkeit, dass es eine Lust ist, ihm zuzusehn, wenn
ihm einmal die Sachen hingerüstet und bedeutet sind. Nichts kommt ihm falsch in
die Hand, kein Blättchen knickt ihm unter den Fingern, eben als wenn die
Gegenstände Augen hätten statt seiner und kämen ihm von selbst entgegen. Dies
gibt nun einen so rührenden Begriff von der Neigung, dem stillen Einverständnis
zwischen der äußern Natur und der Natur dieses sonderbaren Menschen. Da er nicht
von Geburt, sondern etwa seit seinem fünften Jahre blind ist, so kann er sich
Farben und Gestalten vorstellen, aber wunderlich klingt es, wenn man ihn die
Farben gewisser Blumen mit großer Bestimmtheit,
