 der Dinge, die nun kommen sollen. Eine neue Epoche ist für mich
angebrochen, und, so Gott will, wird die Welt die Früchte bald erleben. Siehst
du, ich könnte dir die hellen Freudetränen weinen, wenn ich dran denke, wie ich
mit nächstem zum ersten Male wieder den Pinsel ergreifen werde. Viel hundert
neue, nie gesehene Gestalten entwickeln sich in mir, ein seliges Gewühle, und
wecken die Sehnsucht nach tüchtiger Arbeit. Befreit von der Herzensnot jeder
ängstlichen Leidenschaft, besitzt mich nur ein einziger gewaltiger Affekt. Fast
glaub ich wieder der Knabe zu sein, der auf des Vaters Bühne vor jenem
wunderbaren Gemälde wie vor dem Genius der Kunst geknieet, so jung und fromm und
ungeteilt ist jetzt meine Inbrunst für diesen göttlichen Beruf. Es bleibt mir
nichts zu wünschen übrig, da ich das Allgenügende der Kunst und jene hohe
Einsamkeit empfunden, worin ihr Jünger sich für immerdar versenken muss. Ich habe
der Welt entsagt, das heißt, sie darf mir mehr nicht angehören, als mir die
Wolke angehört, deren Anblick mir eine alte Sehnsucht immer neu erzeugt. Ich
sage nicht, dass jeder Künstler ebenso empfinden müsse, ich sage nur, dass mir
nichts anderes gemäß sein kann. Auf diese Resignation hat jede meiner Prüfungen
hingedeutet, dies war der Fingerzeig meines ganzen bisherigen Lebens; es wird
mich von nun an nichts mehr irre machen.«
    Der Maler schwieg, seine blassen Wangen waren von einer leichten Röte
überzogen, er war aufs äußerste bewegt und bemerkte mit Unwillen die Befremdung
seines Freundes, sowie sein zweifelhaftes Lächeln, das jedoch weniger Spott als
die Verlegenheit ausdrückte, was er auf Teobalds höchst unerwartete Erklärung
erwidern sollte.
    »Darf ich«, fing Larkens an, »darf ich aufrichtig sein, so leugne ich nicht,
mir kommt es vor, mein Nolten habe sich zu keiner andern Zeit weniger auf sich
selber verstanden, als gerade jetzt, da er plötzlich wie durch Inspiration zum
einzig wahren Begriff sein selbst gelangt zu sein glaubt. Weiß ich es doch aus
eigener Erfahrung, wie gerne sich der Mensch, der alte Taschenspieler, eine
falsche Idee, das Schosskind seines Egoismus die Grille seiner Feigheit oder
seines Trotzes, durch ein willkürlich System sanktioniert, und wie leicht es ihm
wird, einen schiefen oder halbwahren Gedanken durch das Wort komplett zu machen.
Denn du gibst mir doch zu -«
    »Hör auf! ich bitte dich«, rief Theobald lebhaft, »hör auf mit diesem Ton!
du machst, dass ich bereue, dir mein Innerstes aufgeschlossen, dir das heiligste
Gefühl blossgestellt zu haben, das mir kein Mensch unter der Sonne von den Lippen
gelockt hätte, wenn es der Freund nicht wäre, von dem ich eine liebevolle
Teilnahme an
