, denen ich gleiche
Rücksichten schuldig bin, und die mich demungeachtet beide gezwungen haben
würden, öffentlich zu brechen, um auch den Schatten von Teilnahme an einem
unerlaubten Handel von mir zu entfernen. Eine Mutter kann gar nicht delikat
genug in der Wahl ihrer Gesellschaft sein.
    Mich dauert die stille, schüchterne Emma ganz außerordentlich. Man sagt, sie
erwarte ihre Mutter in Kurzem von einer Rückreise aus Italien. Nun, das wird
hübschen Lärm geben, wenn die Oberhofmeisterin hinter des Schwiegersohns geheime
Verbindungen kommt!
    Leben Sie wohl bis dahin! Wenn etwas, des Berichtens wert, unter uns
vorfällt, rechnen Sie auf die Feder Ihrer bereitwilligen Freundin.
 
                            Emma an den Geistlichen
Ihr letzter Brief, ehrwürdiger Freund, fordert mich mit fast beschämender Güte
auf, Ihnen zu jeder Zeit mein Herz offen zu erhalten, Alles, was darin vorgeht,
Ihrer Teilnahme zu vertrauen, jeden Zweifel in der freien Mitteilung
aufzuhellen und überall rücksichtslos wahr zu sein.
    Ach! mein gütiger Lehrer, was bliebe Ihnen auch von dem verschwiegen, was
ich mir selbst eingestehe! Ich glaube, ich könnte der Worte entbehren, Sie
errieten mich dennoch.
    Dem Himmel sei Dank, noch scheue ich den Blick nicht, der die Tiefen meiner
Seele durchdringt. Ich weiß, Sie sehen bis auf den Grund, und nichts verwirrt
Sie, was die Bewegung des Augenblickes undeutlich auf der Oberfläche erscheinen
lässt.
    Anders ist das mit meiner Mutter. Die ruhige Begleitung eines Freundes, der
nichts will, als dem Gefährten zur Seite bleiben, lässt dessen Gang frei, doch
ängstliche Sorge hemmt den Schritt. Ich habe es stets so gewissenhaft vermieden,
irgend einen leisen Schatten in die Seele meiner Mutter zu werfen. Nur in den
stillsten, ruhigsten Stimmungen, bei allem Frieden der innern und äußern Welt
um mich her, schrieb ich meine Briefe an Sie. Nie ist mir ein Wort entschlüpft,
das sie doppelsinnig deuten könnte; warm und zärtlich sprach ich die
Empfindungen meines befriedigten Herzens aus, wie kommt es dennoch, dass sie dem
allen keinen Glauben schenkt? Unwillig bestreitet sie mir meine Ruhe, mit
leidenschaftlicher Besorgnis dringt sie auf mich ein, und strebt, mir ein
Geheimnis zu entreißen, das mir fremd ist, dessen undeutliche Erwähnung mich
unaussprechlich ängstigt. Sie wirft mir Zurückhaltung, ja Heuchelei vor, und
schwört, Licht in der Sache haben zu wollen, um einer Verblendung ein Ziel zu
setzen, die sie für die Würde ihres Kindes beeinträchtigend hält. Von diesem
brennenden Wunsche getrieben, nimmt sie ihren Rückweg aus Italien gerade
hierher. Sie kommt! sie kommt in den nächsten Wochen! und wenn mein Herz vor
Freude zittert, sie wieder zu sehen, so stockt es auch vor Bangigkeit und
Furcht, als sei das Ende
