 wissen, wie es die Kerls da treiben? Die Töne einer
göttlichen Sprache zerrinnen in der unteren Atmosphäre zu Begriffen. Davon, dass
es eine Region gibt, in deren feinen, leichten Luftschwingungen die Seele
unwillkürlich gehoben wird, so dass sie die Spiegelbilder der Erde nur im
Widerschein, aber dafür in jener magischen Beleuchtung eines wärmern und
glänzendern Gestirns, der Sonne des Dichters sieht, davon redet man wohl, aber
man kennt es nicht mehr.
    Nein, Heinrich, man kennt es nicht mehr! Auch Du, und ich, die wir in
einzelnen Augenblicken des tiefsten Schmerzes, der innern Verzweiflung, des
gänzlichen Zerfallens mit der Welt, davon träumen, vergessen es wieder, müssen
es in einer so gestalteten Welt vergessen! Das ist der Widerspruch, in dem wir
leben. Wir wollen, was wir nicht können! Begreifst Du, wie zerrissen, wie
fragmentarisch dies Geschlecht in der Weltgeschichte dastehen wird?
    Doch wieder auf mein Abenteuer zu kommen. Es hat mich der liebenswürdigen
Elise auf immer zum Freunde gemacht. Leichter, gutmütiger nimmt keine Frau auf
Erden ähnliche Kränkungen der Eitelkeit auf. Ihr klarer, milder Sinn fand
sogleich den Gesichtspunkt, aus welchem unser Missgeschick natürlich erschien.
Sie tadelte weder sich noch Andere. »Es passte nicht!« sagte sie, und damit
behielt jeder sein Recht.
    Es passt so Vieles nicht, Heinrich. Wird darum das, was in Übereinstimmung
zu einander tritt, nicht unauflöslich Eins werden?
    Ich habe einen eigenen Glauben von der Sympatie der Freundschaft. Sie
scheint mir gegründeter, als die der Liebe. Von dem was man so nennt, halte ich
überall wenig. Das sind Selbsttäuschungen, mit denen der Mensch groß von sich
selber tut, wenn er am kleinsten ist. In der Regel bleibt nach dem poetischen
Wahnsinn eine Armut des Innern zurück, die den Rest des Lebens dürftiger, als
billig gestaltet, während die Freundschaft wie ein mächtiger Strom unzählige
Arme ausbreitend, die Steppen und Wüsten des Daseins umfasst, den Hauch der
Belebung ausatmet, und eine veränderte, frische, fortbildende Welt schafft.
    Ich empfinde das in Elisens Nähe. Diese Frau hat einen freien, ja männlichen
Geist, der mit seltener Kühnheit Verhältnisse durchschaut und lenkt. Und dabei so
viel Regsamkeit des Verstehens, solche Fülle und Wärme in allen
Lebensbeziehungen! Eines Engels Güte, eines Helden Mut! Niemals lässt sie das
zärtere Geschlecht in sich vergessen, und doch fühlst Du ihr gegenüber nur den
Einfluss einer höheren Seele, die keinem Geschlechte, keinen Bedingungen der Erde
angehört. Ich bringe meine liebsten Stunden bei ihr zu. Wir reden, wir lesen mit
einander. Meine Lieblingsschriften sind auch die ihrigen. Es peinigt sie wie
mich, alles Enge, Abgeschlossene. Ein freier
