 drückte sie mir die Hand, und ohne mich um
das zu befragen, was ihr auffallen musste, begleitete sie mich nach dem Schloss.
Mit uns zugleich nahete sich Hugo diesem. Er kam von der Jagd. Mehrere Jäger
folgten ihm. Sie gingen den jenseitigen Rand des Burggrabens entlang. Als uns
der Graf gewahr ward, gab er Flinte und Jagdtasche weg, und sprang mit großer
Leichtigkeit über den Graben. Emma erschrack, die Jäger murmelten beifällig,
Hugo lachte, als ich ihm vorwarf, uns um eine coquette Bizarrerie willen
beunruhigt zu haben. Er mochte sich getroffen fühlen, denn er ließ es hierbei
bewenden, ihm lag etwas Anderes im Sinn. Durch Jagdlust und Morgenfrische
angenehm erregt, hatten sich ihm allerlei belustigende Bilder erzeugt. »Wir
sollten,« sagte er, »das Leben in Ulmenstein einmal durch phantastische
Zwischenspiele auffrischen. Mir ist eingefallen, die Neigung der Gräfin fürs
Theater auf andere Weise zu benutzen. Wie wäre es, wenn sich eine muntere
Gesellschaft vereinte, unerkannt, unter der Firma einer reisenden
Schauspielertruppe auf dem Schloss Zutritt zu suchen, und irgend eine wirkliche
Posse auf das dortige Theater brächte?« Mich ergötzte der Einfall, ich stimmte
ihm fröhlich bei. »Was sagen Sie zu einzelnen Szenen aus dem Sommernachtstraum
von Shakespeare?« fragte er, ganz mit seinem Plane beschäftigt. »Es ist gerade
so viel Spaß dabei, um zu belustigen, und mehr Tiefsinn, als die Seele tragen
kann, wenn sie nicht Spott damit treibt.«
    Wir waren bald einig. Der Morgen verfloss unter Entwürfen, Vorkehrungen und
all dem Unterhaltenden, was der Verwirklichung eines Projectes vorangeht. Wir
hatten beschlossen, zuerst die plumpen Gesellen in der Probe des Pyranus und
Tisbe auftreten zu lassen, und dann die Elfenscenen zwischen Oberon und Titania,
samt der Bezauberung Zettels folgen zu lassen. Die Aufgabe war nicht klein.
Doch, einmal mit dem Gedanken vertraut, übernahm ich es, die zierlichen Geister
zu suchen, und für unsern Zweck zu gewinnen. Emma lächelte über meinen Eifer.
Darauf fragte sie, ob mir nicht etwas unheimlich bei einem Spiele sei, das fast
zu schauerlich die Täuschbarkeit des Herzens verhöhne? »Weshalb?« fiel Hugo
rasch ein, »es gibt keinen köstlichern Spiegel, als die Ironie. Wo alles auf
dem Kopfe steht, nimmt man es mit sich selber nicht allzu genau.«
    Emma entfärbte sich. »Es ist nur ein Glück,« hob sie nach einer Weile an,
»dass zuletzt ein zärtlicheres Empfinden ausgleicht, was mutwillige Neckerei
verwirrte.« »Wer weiß,« lachte Hugo, »hat der schlaue Oberon nicht dennoch einen
trügerischen Frieden geschlossen; in dem Falle wäre der letzte Betrug der
ärgste!« »
