 der kennt keine Langeweile. Ich
fürchte dies Gespenst sonst mehr als die geträumten, und sah mit einer Art
heimlichem Grauen auf eine sogenannte allerliebste Partie im Grünen, zu der uns
die Gräfin Ulmenstein bei sich einlud. Da nun das Grün jetzt schon ziemlich gelb
ist, die modernen Gärten mit ihren vielen abgestreiften Pappeln kahl und dürr
aussehen, die Gesellschaft mir fremd war, unsere Wirtin ohne Jugendreiz, den
Mangel an Geist durch viele unruhige Eitelkeit ersetzt, welche ihr das Prädikat:
die Seele der Gesellschaft erwarb, so hegte ich großes Misstrauen gegen den
versprochenen Zauber der Abendversammlung.
    Aber siehst Du, alles das waren falsche Schlüsse. Denn erstlich nahmen sich
die geputzten, städtischen Figuren unter dem herbstlichen Blätterdache, von
manchem scharfen Windstoß getroffen, in ihrer Toilette derangirt, und auf diese
achtend, so gezwungen, so unsicher, so sichtlich unbequem aus, dass ihre Mühe,
sich und Andern hierin zu entgehen, allein schon eine komische Unterhaltung bot.
Dann belustigte mich auch die Art und Weise der Gräfin ungemein. Die Sicherheit,
mit der sie das Gewöhnliche für etwas Besonderes ausgibt, und wirklich ihren
Zweck erreicht, niemals um eine Antwort verlegen ist, jede Einwendung
berichtigt. Ich sage Dir, es ist zum Todtlachen! Und Viele lassen sich belehren,
obgleich eigentlich kein Sinn und Verstand in allen den angeführten Gründen ist.
Wie geht das zu? Solche Probleme machen mir sehr viel Spaß! Ich bin diesem indes
ziemlich auf der Spur. Die Frau rückt gleich mit ganz außerordentlicher
Höflichkeit ins Feld. Dadurch stumpft sie, von Hause aus, die Waffen ihrer
Gegner ab, dann wickelt sie die Aufmerksamkeit eines Jeden, den sie überzeugen
will, mit unglaublicher Behendigkeit auf einen Knäuel, in welchem die gemischten
Fäden zusammen laufen. Niemand ist im Stande, einen einzigen festzuhalten. Mit
dem Letzten schürzt sie dann geschwind das Ganze zusammen und wirft den Ball auf
gut Glück in die Luft. Man sieht ihn fliegen, und lässt es gut sein! Sie ist
fertig. Die Wenigsten denken daran, dass sie es nicht sein können. Dadurch
behauptet sie ihren Ruf. Selbst der Komtur glaubt einigermaßen an sie. Sein
Benehmen drückt eine Berücksichtigung aus, die eigentlich nichts rechtfertigen
kann, als eben dieser Ruf. Überhaupt finde ich die heutigen alten Leute immer
viel leichter bestochen und über die Gegenstände der Anerkennung getäuscht, als
unsers Gleichen. Dem galanten Manne aus jener Zeit fällt es nicht ein, dass eine
Frau von Ton anders als bedeutend sein könne. Der Onkel beweist mir übrigens
täglich mehr, dass die Abgeschlossenheit, in der er so streng verharrt, nichts
als ein enger Rock ist, der ihn tausendmal kneift, und ihn gleichwohl nicht
ablegt, weil er einmal der Welt darin bekannt ist
