 in einer Art Krieg mit der Welt. Darum
ist so viel List und Spürkraft in ihnen. Ihre Taktik macht meine Bewunderung
aus. Nenne diese immerhin beschränkt. Wer sieht denn viel rechts und links, wenn
er auf etwas Bestimmtes los geht? Der Instinkt findet seine Schranken
vorgezeichnet. Die Erfahrung muss sie erst ziehen lernen.
    Und lieber will ich blind geboren sein, als blind werden!
    Mein loses Gesindel im Walde hat, ich versichere Dich, eher die Gabe, das
Unsichtbare zu fühlen, als wir andern, an den Block vornehmer Einseitigkeit
Geschmiedete. Die Begriffe der Letzteren, die nicht mehr Anschauungen sind,
machen sie ganz aberwitzig. Ich bin nun einmal auf die Natur jeder Gestalt
angewiesen. Es ist so viel Wehmut in ihrer Entstellung. Mir erscheint sie oft,
wie ein schönes Kind, das die Blattern verzerrte. Die Augen sind doch wenigstens
geblieben. Zuweilen blinkt eine Träne darin, und dann spiegelt sich der Himmel
zurück.
    Meine gegenwärtige Lage passt auch wohl noch am meisten für mich. Ich bin
freier, als irgendwo. Emma ist das beste Herz. Sie lässt mich tun, was ich will.
Ich danke es ihr, und freue mich, dass sie eine Unterhaltung in der Gesellschaft
einer artigen Frau der Nachbarschaft gefunden hat, ja einer seltenen Frau,
Heinrich, wie ich glaube. Sie ist sehr geistreich, und scheint es nicht zu
ahnden. Ihr Wesen hat die Farbe der arglosesten Heiterkeit. Mir gefällt sie
ungemein. Ich kenne nichts Einfacheres als sie. Ihr Mann ist eine ziemlich
gewöhnliche Figur, nicht ohne Verstand, doch auf den ersten Blick hat man das
Zunftmässige an ihm weg. Er gehört zu den Leuten, deren Meinungen sich den
Verhältnissen so anpassen, dass sie bald nicht einen Funken Eigentümlichkeit
mehr haben. Zuletzt schrumpfen sie ganz eng zusammen. Je trockner sie dann
werden, je reifer glaubt man sie. Du kennst wohl diese Art Menschen, die bis auf
das stumme Lächeln immer ein Urteil aussprechen. Ich lasse sie gern bei Seite.
Dieser ließ mich aber nicht. Wahrscheinlich wollte er sehen, ob ich wisse, wie
sehr ich ihm verpflichtet. Er hat an der Entscheidung meiner Angelegenheit
großen Teil. Wir sprachen darüber. Ich weiß selten viel zu sagen, insbesondere
wenn ein Anderer mich hören will. Hier lag mir noch dazu etwas ganz Fremdes im
Sinne. Ich suchte mir es deutlich zu machen, wie der Mann zu einer solchen Frau
kommen konnte? In einem Haare hätte ich laut aufgelacht! Man zeichnet keine
ärgeren Karikaturen, als die, welche Zusammenstellungen aus dem Leben bilden!
    Darin liegt der Witz der großen Welt, durch den sie sich über sich selbst
lustig macht. Wer diese Seite an ihr weg hat,
