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als sie mich nicht allein trifft.
    Sehen Sie, das ist es, das ist es hauptsächlich, was mich beugt. Ach Gott!
und ich kann mich fast nicht länger täuschen, dass ich unbewusst zwar, doch nicht
unschuldig das Geschick des geliebtesten Menschen verwirrt, einen Vorwurf auf
sein großes Herz geladen habe! Hugo's kühner Gang wird durch mich gehemmt.
    So kann und darf ich nicht einmal versuchen, seinen Weg zu gehen. Ich
erschrecke oft, wenn es mir klar wird, dass er den Kampf allein hätte ausfechten,
ich aber im Verborgenen, beschränkt und entsagend, für ihn beten sollen, ohne
unser beider Geschick in unklare Beziehung zu einander zu stellen.
    Vielleicht war ich überhaupt nur für das Kloster geboren. In der Dunkelheit
entfaltet sich das Geheimnis des Innern am besten.
    Hier, unter so verschiedenen Menschen, zwischen die entgegengesetztesten
Richtungen geschoben, wie kann ich, ohne anzustossen, mich frei bewegen?
    Der Komtur, der mir eigentlich eine Stütze sein müsste, verletzt mich durch
sichtliche Abgeschlossenheit gegen Hugo. Er misstraut diesem, und scheint auf der
Hut gegen Angriffe, welche gleichwohl nie erfolgen. Mich betrachtet er oft
bedenklich. Sein ernster, hoher Blick wird dann von unverkennbarer Rührung
gemildert, er findet immer ein inniges Wort für mich. Der Ton der Stimme, das
Herabbeugen des stolzen Nackens, die stumme Sprache seiner Mienen, alles an ihm
atmet in solchem Augenblicke fast unwiderstehliche Wärme, ich glaube, wir
verstehen uns dann vollkommen, allein wir gleiten beide über das hinweg. Ich
wüsste nicht, wie ich es anfinge, ihm gegenüber gewisse Saiten zu berühren, die
nur den Misston zwischen Oheim und Neffe noch schärfer herausheben würden. Ich
fühle ja ohnehin deutlich genug, dass Hugo niemals darin gewilligt haben würde,
sich mit dem Urheber so großer Familienstörungen auf eine Weise zu vergleichen,
die ihm drückende Verpflichtungen auflegt, wäre es nicht in Bezug auf die
Verbindung mit mir geschehen. Auch hierin glaube ich ein Werkzeug höheren Willens
zu sein. Mit heimlichem Stolze betrachtete ich mich, als unverkennbare
Vermittlerin verjährter, gehässiger Missverständnisse. Allein auch hier diente
ich nur, den stumpf gewordenen Stachel tiefer in die alte Wunde zurückzudrücken.
Was vergessen, oder unbeachtet, mit der Zeit seine Schärfe verliert, das wetzt
sich an den täglichen, unmerklichen Reibungen so schneidend heraus, dass jede
Berührung verwundet. Ich fühle Hugo etwas Ähnliches an. Er wird immer
einsilbiger. Auf seinem Gesicht liegen die Schatten unauslöschlicher Schwermut,
selbst wenn er lacht, verdunkelt sich sein Auge, als schelte es die Lippen, dass
sie sich so leichtsinnig öffneten.
    So gehen wir in sehr verschiedener Seelenstimmung neben einander hin. Der
Komtur mag wohl denken, die Einsamkeit drücke auf uns. Er
