 Wege nach Florenz. Es ist eine von den vielen Reisen,
bestimmt, eine Lücke im Leben auszufüllen, sonst zwecklos, und daher unbequem.
    Ich füge mich ohne Widerrede in die Anordnung der Prinzess, teils, weil sie
es so wollte, teils, weil ich einen Augenblick glaubte, unterwegs mit Emma
zusammenzutreffen. Es reizte mich die Vorstellung, sie zu überraschen. Allein
Hugo hat, wie er sich ausdrückt, so große Ungeduld, die Herbstjagden im
heimatlichen Gebirge mitzumachen, und Emma die grünen Wellen des
vaterländischen Stroms in dem Lichte der vollen Septembersonne zu zeigen, dass
beid schon auf dem Wege zu Ihnen sind. Es mag auch sein! Ich lasse mich nun um
so ruhiger fortschieben. Doch bin ich, ich gestehe es, über die Eile Ihres
Neffen verwundert. Was zieht ihn denn so mächtig zu Ihnen zurück? Der Gedanke,
ein Eigentum, einen Heerd zu besitzen, und dort als freier Mann zu gebieten, zu
handeln? - Nimmermehr! Er dünkte sich wohl freier als jetzt, da er Niemanden
verpflichtet war. Ist er des Umherstreifens müde? Nun! so scheut er doch das
Bleiben an einem Orte noch mehr. Oder, ist es Emma's Begleitung, die ihm die
Lust am Reisen verdirbt? Unter allem ist gerade das Schlimmste das
Wahrscheinlichste.
    Dem Vogel sind die Flügel beschnitten, und für den, welcher gern den Adler
gespielt, auf steilen Höhen gehorstet, den freien Flug eifersüchtig bewahrt
hätte, für den ist die Rolle des Haushahns im abgegränzten Zwinger anstößig.
Mein Gott! warum genügten die Luftregionen nicht. Möchte er immerhin in seiner
erhabenen Einsamkeit, auf starrer Klippe, dem Stolz mit prächtigen Träumen
schmeicheln, ich hätte nichts dawider gehabt. Aber ihm gelüstete nach den
Früchten des Tales. Er ließ sich zu ihnen herab. Der Traum ist aus, das ist
sein Unglück.
    Doch, da ich daran denke! Von Früchten des Tales oder der Welt, mir
gleichviel. Es kommt mir vor, auch Sie haben noch nicht den Geschmack daran
verloren. Sonderbar genug, ist das einzige Lebendige in Ihrem Briefe, die
Schilderung der artigen Frau, welche Sie höchst großmütig zu Emma's Freundin
bestimmen. Bis auf das weiße Kleid und dessen nachlässige Eleganz, zeichnen Sie
die neue Dame Ihrer Gedanken auf das Papier. Mein guter Komtur! Sie haben nicht
wohl daran getan. Wie sie dort steht, trägt sie alle Züge der gefeierten
Herrscherin eines engen und flachen Kreises, welchen die Gräfin überall um sich
versammelt, und den Sie gute Gesellschaft zu nennen belieben. Ich weiß es seit
lange, dass Männer kein Urteil über Frauen haben, und die Grade des geselligen
guten Tones nur nach dem Termometer ihrer Eitelkeit anzugeben wissen. Wie
