 sind meine Pflichten nicht auf das Institut allein
beschränkt. Ich möchte das eben nicht. Ich bewahre mir gern die freie
Beweglichkeit. Allein angeschlossen habe ich mich den Männern, die hier zu
wirken hoffen.«
    In Elisen entwickelten sich unmittelbar eine Menge neuer Ideen. Ihr
lebendiges Gesicht drückte dies sprechend aus. Sie ging darauf mit Georg im
Garten umher. Ich blieb bei dem Geistlichen zurück. Wir vermieden beide, von den
letzten Vorfällen zu reden. Doch Emma lag uns zu nahe, um die Wendung ihres
Geschicks mit Stillschweigen übergehen zu können.
    »Glauben Sie mir,« sagte der vortreffliche Mann, »dies schöne Herz hat mir
von jeher die größte Sorge gemacht. Es verstand sich immer nur zur Hälfte, und
irrte durch Aberglauben an seinen Eingebungen. Die Gräfin,« fuhr er fort, »stand
von Kindheit an, im Widerspruch mit sich und ihren Verhältnissen. Mutter und
Tochter hätten sich, wie das so oft zwischen Eltern und Kindern der Fall ist,
ergänzen können, wenn nicht Eine die Andere gerade so hätte haben wollen, als
sie selbst war. Emma empfand zuerst, dass sie die Mutter nicht umschmelzen werde,
deshalb zog sie sich um so strenger, und, wenn ich in dem Sinne so sagen darf,
härter im Innern zusammen. Sie lernte auf ihre Ansichten bestehen, und hielt
fest an dem Satz, sie müsse, was sie soll. Über dies Soll wurde sie indes nie
klar, weil sie tief, aber einseitig empfand. Lesen Sie,« setzte der Geistliche
hinzu, »aus diesen raschen Zügen die Geschichte ihrer Gefühle, wie ihrer
Handlungen heraus. Auf sie wirkte man nie unmittelbar, und unglücklicher Weise
war sie schneller im Tun, als umfassend im Denken. Man könnte in gewisser
Beziehung von ihr behaupten, sie sei sich selbst nicht gewachsen gewesen, denn
wirklich zerfällt sie nicht sowohl in die beiden gewöhnlichen Hälften irrdischer
und himmlischer Natur, als in Überzeugung und Gefühl. Eins bleibt hinter dem
Andern zurück.«
    »Sie enträtseln,« entgegnete ich, über das Gehörte nachsinnend, »vieles im
Benehmen der Gräfin, was mich durch seine Inconsequenz verletzte.«
    »Ach!« rief er aus, »wo wollen Sie Zusammenhang finden, wenn sich die Natur
zerstört! Das Leben zerfasert sich, so wie die Fäden ruhigen Fortgehens
künstlich gelegt, oder über Vermögen gezerrt werden. Emma ist nicht ruhig, wenn
sie auch still ist. Sie muss, wie wir Alle, erst Frieden in sich machen lernen.
Welch ein Maß des Streites hierzu gehört, das ermisst Keiner!«
    Lieber Freund! Ich habe mir die letzten Worte seitdem oft wiederholt. Man
wird gelassener, wenn man bedenkt, wie viel geschehen muss,
