 das Eine, wie das
Andere, bei klarer Prüfung. Gleichwohl wünschte er, durch einen besonderen Zweck
sein Leben zu erhöhen. Er fing damit an, sich aufmerksam zu beobachten, und
bemerkte, dass seine frühere Schwermut, die ihm so viel zu leiden gemacht, mehr
aus einer gewissen Gebundenheit des Innern, als aus wirklichem Missgeschick
entstand. In den Kinderjahren kränklich, vernachlässigt, dann blöde, steif,
unbeholfen, trat er, wie verriegelt, überall zurück. Am Ende fand er durch sich
selbst, nach mühseligem Suchen, die Richtung, auf welcher er fortging. Sein
Schritt wurde fest, sein Blick bestimmt, er aber, wie herausgeschnitten aus der
übrigen Welt, ein Mensch nach Systemen, edel, doch bizarr. Ihm hatte
Gemeinschaft mit Andern das Leben nicht verständlicher gemacht. Er war auf eine
Anhöhe getreten, sah nach den verschiedenen Straßen hinunter, lernte sie nennen,
kannte keine. Alle sahen gleich aus, alle schienen ihm klein, eng, in der Irre
umher zu führen; er überschaute wohl das Ganze, doch durchschaute er es nicht.
So,« fuhr der Geistliche fort, »dachte er darauf, nachdem er sich erkannte,
Andere vor diesem Umwege zu bewahren. Es ward ihm klar, dass vielleicht in keinem
Augenblick so sehr als jetzt, das Gefühl der Billigkeit durch festere Bande des
Vertrauens, durch Gewohnheit und innere Verzweigung des Daseins gestärkt werden
müsse. Ein Erziehungsinstitut auf dieses Prinzip gegründet, dünkte ihm etwas
Schönes. Er beabsichtigt den höheren Freisinn der Eigentümlichkeit bei gleich
erhabenem Zweck in dem Wechselverein junger Herzen lebendig zu erhalten, Alle in
einem Glauben, durch ein Gesetz zu binden, und doch Jeden den eignen Gang mit
Andern gehen zu lehren. Ob er es erreicht? - so endigte unser Freund. Wir müssen
das Gelingen einer höheren Hand überlassen.«
    »Und im Schwarzwalde,« fragte Elise, »soll die Stiftung gegründet werden?«
    »Dort ist sie gegründet,« erwiderte jener. »Das Unternehmen ist mit
merkwürdiger Schnelligkeit ins Werk gerichtet, so dass wir schon einige Zöglinge
dort vereinigten, zu welchen wir mit Freuden Georg zählen.«
    Elise umarmte den Knaben mit unverkennbarer Beschämung. Was in dem
Augenblick in ihr vorging, war eher zu erraten, als auszusprechen.
    Georgs Hand in der ihren, hub sie nach kurzem Schweigen leise an: »Sie
sagten mir, mein Herr! Sie nähmen auch Teil an dem Erziehungsgeschäft des
Barons?«
    »Nun,« lächelte der Geistliche, »wir Menschen erziehen uns Alle durch
einander, und so finde ich wohl meine Aufgabe wie Jeder, der sich nicht für zu
weise hält, um zu lernen, und zu lieblos ist, um von seinem Vorrat
mitzuteilen. Doch
