 Äbtissin in einem
florentinischen Kloster. Sie erschrack heftig bei der Nachricht. Ihre Gesundheit
schien den Schmerzen der Trennung aus der Heimat nicht gewachsen. Nur einmal
noch, auf kurze Zeit, wollte sie in der Nähe ihres alten Wohnsitzes atmen,
leben dürfen; sie forderte dies, als das einzige Mittel, den letzten Riss der
Vergangenheit zu überwinden. Ihr Arzt riet selbst dazu. Sie erhielt
unbestimmten Urlaub, sie benutzte diesen - und das Aufziehen eines
Pistolen-Schlosses reichte hin, die ganze künstliche Leiter unter ihren Füßen
wegzuziehen!
    Ich bin bei weitem hierüber nicht so erschüttert, wie Sie. Was die Welt
denken und urteilen wird? gilt mir in dieser Hinsicht gleich. Die hat ihr
Urteil längst ausgesprochen. Nun sagt sie es noch einmal anders vielleicht,
doch nicht klüger. Emma ist außerhalb ihrem Bereich, ich gehe ihr aus dem Wege,
und Hugo - Nun das verlangen Sie nicht, dass mir dessen Geschick, wie dessen Ruf
am Herzen liegen solle! Was hofften Sie wohl von einer neuen Verbindung für ihn?
Was blendet Sie denn jetzt mit einemmale über den glaubensleeren, unklaren,
unsicheren Klügler, dass Sie Ihre Tränen in die seinen mischen? -
    Meinen Sie, weil ihn das Außerordentliche erschütterte, weil ihn der Anblick
der Todtgeglaubten übermannend niederwarf, er sei nun für immer in dem Kern des
Daseins gebrochen? Er könne das gespaltene Leben nicht wieder ergänzen? nur in
bejammernswertem Ringen müssen ihm Tage und Jahre hingehen.
    Mein Gott, bester Freund! tragen Sie doch Ihre Empfindungen nicht auf einen
Menschen über, der keines bleibenden Eindrucks fähig ist.
    Wie schnell tauschte er ein Gut für das andere ein, wie noch schneller warf
er dieses wieder von sich, und was wäre es denn jetzt mit ihm gewesen, hätte er
auch die Vergessene nicht wiedergefunden? Nein, glücklich war der niemals zu
machen! denn sehen Sie, mit allen schimmernden Gaben des Scharfsinns, des
Witzes, der angenehmen Laune, bei dem milden Ausgleichen fremder Schwäche, der
duldsamen Gelassenheit und den Aufwallungen liebender Gefühle, fehlt Ihrem
Neffen ein innerer Mittelpunkt. Er ist wie ein schönes, reich ausgestattetes
Haus, in dem Sie alles finden, nur keinen Heerd! drum frieren Sie, und hungern
und dursten, und werden niemals erquickt, wie viele Vorräte auch überall
befindlich sind. Der Heerd, der ihm im Innern fehlt, den verschmähet er auch im
Äußern. Naschen will er überall, doch gesammelt genießen, das kann er nicht.
Fürchten Sie doch ja nicht für sein Herz, nennen Sie auch nicht die bebenden,
confus ineinander gewirrten Fäserchen, ein Herz. Auf der Stelle mag es sonderbar
bei ihm aussehen!
    Vor allem aber schelten Sie Niemand, als ihn selbst, wenn Sie'
