, dass man sagt, man lasse jedem
seine Weise. Was kommt dabei heraus? einmal, und gerade, wenn Dir am meisten
daran liegt, unberührt zu bleiben, reiben sich die Freiheitsansprüche gewaltig
an einander. Richtungen stoßen gegen Richtungen, der Krieg ist da, und
conventionelle Aussprüche machen den Frieden. Du knirscht mit den Zähnen, und
bist nichts als Dein eigener Narr.
    Wieder auf aritmetische Aufgaben zu kommen; meinst Du, es sei der Mühe
wert, den Verstand daran zu schärfen? wirst Du jemals den Menschen in Dir
berechnen lernen? Und kannst Du das nicht, was willst Du mit dem Plunder von
Wissenschaft?
    In diesem Augenblick berechne ich, wann Walter wiederkommen wird. Ich habe
ihn ausgeschickt, der Kerl ist pfiffig, er wird es ermitteln, wo sie hinging!
    Sie! sie! Lache nicht, Heinrich! Ich kann keine Ruhe finden, so lange ich
nicht weiß, was dieses Wesen an mir hat.
    Warum ich nicht selbst? Ihr nach? Fragst Du! Ja, wenn es erst dahin mit mir
ist - dann!
    Sonderbar! Der Oheim lässt sich auf seine feierliche Manier in diesem
Augenblick bei mir ansagen. Er muss etwas wollen, und seinen Sinn gerade auf
diese Stunde gestellt haben. Ich bin doch neugierig!
    Heinrich, der Onkel hat sich verrechnet. Von der Seite fasst er mich nicht.
Ich habe hier keine Zugänge.
    Das Opfer eines Lebens um einer Chimäre willen! Mich lässt das kalt, weil ich
den ganzen Gedanken nicht begreife.
    Übrigens sagt er mir nichts Neues. Ich bin nur neugierig, weshalb er mir es
sagt. Unnütze Mühe! Ich werde ja frühe genug tun, was sie wollen.
    Nun, er trat ein. Man sah ihm gleich an, dass er nicht ohne Absicht da war.
Er fragte nach meinem Befinden. Ich musste innerlich lachen. Meine Antwort
beruhigte ihn vollkommen. Er stand und blätterte in einem Heft Kupferstiche. Ich
ging auf und nieder. Leicht mochte ich's ihm nicht machen, darum schwieg ich.
Endlich setzte er sich. Ich auch. Es begegnet uns oft, so eine Weile stumm neben
einander zu sein, ohne dass uns dabei etwas auffällt. Heute schien es ihm
peinlich. Er war in seiner hohen und trockenen Stimmung. »Lieber Hugo!« brach er
jetzt das Schweigen, »Du zwingst mich, etwas zu tun, was ich sonst nicht leicht
tue, von mir selbst zu sprechen.«
    Der Eingang schnitt plötzlich ein. Ich stutzte, und sah verwundert zu ihm
hin.
    »Schon lange,« fuhr er fort, »gehen wir an einander hin, ohne dasjenige
berühren zu wollen, was zwischen uns liegt.«
    So
