 wenn mir endlich Nachts die
Augen über der Arbeit zufallen, wenn ich träume - Heinrich, ein Traum kann unser
Herr werden - schämst Du Dich nicht, von der Kraft des Menschen zu sprechen?
Immer sitzt sie da, da auf demselben Fleck unter ihren Tieren. Sie gibt ihnen
das Futter mit der kleinen, weißen Hand, die gelbe Hirschkuh legt das Köpfchen
an ihre Kniee. Die Fremde meine ich. O, denke nicht, ich fasele von dummem Spuk,
das abgedroschene Geschwätz aller modernen Tages- und Monatsblätter. Nein, von
ihr, von der Fremden rede ich. Was übt dies Wesen für eine unbegreifliche Gewalt
über mich aus! Siehst Du, dies ist viel tiefsinniger, viel grauenhafter, viel
verzweigter in der geheimnisvollen Verwandtschaft der Seelen, als solch
phantasmagorisches Gespenst; unbewusst verwandt mit dem melancholisch wimmernden,
ruhelos umherstreifenden Weibe! Denke es Dir, Heinrich! was zieht sie mir nach?
was brachte sie auf die Stelle? was wollte sie da unter den Tieren? Ist der Zug
dahin Instinkt? und können so willenlos zwei Menschen zu einander gezogen
werden?
    Gab es je ein Rätsel, meiner Entzifferung wert, so ist es dies! Aber ich
gestehe Dir auch, vor dem ich schüchtern zurücktrete.
    Und doch lässt es mich nicht!
    Wirst Du es glauben, dass ich mich nur mit Mühe zurückhalte, ihr nicht zu
folgen? Folgen, dazu gehört, dass ich wüsste, wo sie geblieben ist. Ja, wer das
wüsste! Verschwunden, sage ich Dir. Spurlos! und gerade an dem Morgen! Gib mir
zu, es könnte einem Ruhigern etwas in den Kopf setzen.
    Ich bin ein Paar Tage recht krank gewesen. Seitdem ist, wie durch ein
stillschweigendes Übereinkommen, noch nicht wieder die Rede von der Anberaumung
meines Hochzeitstages gewesen. Elise - sage mir, Heinrich, hat sie aufgehört,
mich zu verstehen? oder will sie es nicht? Leicht, heiter, unbesonnen wie
ehemals, schweift sie durch alle Regionen der guten Laune umher, neckt, reizt
mich, bis ein Wort, eines von den unwillkührlichen, die zuweilen aus uns
herausschreien, plötzlich an die bunten Flügel ihres Leichtsinns streichen, und
diese, wie verbrannt, sinken. Sie wird dann stumm, wir sitzen ängstlich bei
einander, bis ich gehe. Komme ich andern Tags wieder, so scheint das nicht
gewesen. Es fängt wie gestern an, und endet so.
    Freiheit Freiheit! - Ich muss es bewundern, wie dem Menschen der Begriff kam,
da er zum Sklaven einmal bestimmt ist. Sieh' Dir doch nur seinen innern und
äußern Zustand an, und dann prahle mit hohen Vorrechten, die nicht Leben, nicht
Bestimmung bestätigen. Es ist wenig damit getan
