 Ist es Ihnen wirklich
unmöglich, die bittere Kränkung zu bezweifeln, die mir aus dieser unwürdigen
Heirat erwächst?
    O fragen Sie nicht mit der verwunderten Ruhe, die mich zu Zeiten, Ihnen
gegenüber, um alle Fassung bringt, ob ich denn gewollt, dass der Graf nie wieder
an eine zweite Ehe denken sollte? Ja, ja, ich habe das gewollt! Ich will es
noch! Wem darf er seine Hand bieten, wenn ihn das sanfte Joch an Emma's Seite
drückte? Wem? ich frage Sie. Und wenn auch das nicht wäre, sagen Sie einmal,
kann er diese Unruhestifterin, diese Störerin seines Familienfriedens, diese
doppelte -! O lassen Sie mich wegwenden von dem Gedanken, dass sie es ist, die er
in sein ehrbares Stammhaus führt, die ihr entweihtes Wappen an den Schild hängen
darf, der sich mit dem meinigen verschlang; dass sie da gehen, stehen, sitzen
wird, wo Emma saß; dass ihre Stimme frei und keck erschallen wird, wo jene
demütig und leise ihr bescheidenes Wort aussprach, dass sie - o mein Gott! da
lachen wird, wo mein armes Kind so viel, so heiß weinte!
    Gehen Sie, Sophie! Ihre Klugheit ist dem flachen Spiel empfindsamer
Modetändelei erlegen. Während Sie sündliche Tränen trocknen helfen, pressen Sie
meinen brennenden Augen gerechte und allzu bittere aus.
    Ich wusste nicht, sollte ich die Leute Lügen strafen, die mir die Geschichte
dieser Komödien-Versöhnung erzählten! Ein falsches Gerücht nannte ich sie, doch
glauben, das war mir nicht möglich, glauben konnte ich sie nicht.
    Nun bestätigen Sie es selbst, und verlangen, ich soll es gut heißen.
    Verblendete! mit Ihnen ist nicht zu streiten. Aber der Himmel, das weiß ich,
der Himmel wird Euch die Augen öffnen. Das duldet er nicht, wie auch Wahn und
Überspannung seine Absicht missverstehe. Und sollte, und dürfte ich auch nicht
-! Nein! verlassen Sie sich darauf, das wird niemals geschehen!
 
                                Hugo an Heinrich
Du bist ein guter Mensch, Heinrich! aber Du hast das Unglück, selten zu wissen,
wie Andern zu Mut ist. Das kommt von Deinen abgezogenen Begriffen. Du gibst
nicht genug auf das Leben Acht. Mein liebes Kind! das ist ein Proteus, das macht
Dir ein X für ein U vor, ehe Du Dich versiehst.
    Ich hätte Dir längst einmal wieder geschrieben, allein ich fürchte mich vor
Deinen hohen Worten. Du hast so viel mit Idealen, mit Streben u.s.w. zu tun,
und das Alles schrumpft, bei ordentlichem Tageslicht besehen, zu solcher Misere
zusammen, dass mir's erschrecklich ist, wenn man davon viel Lärmens macht.
