. Jetzt, höre ich, hat sie entsetzlich verloren.
Ihre Züge waren immer scharf wie ihre Zunge,« setzte sie lächelnd hinzu.
    Sehen Sie, Sophie, so schilderte man mir Ihre Freunde. Bewundern Sie es
nicht, wie ich so lange bei einem Gegenstande verweilte? da das Neue selten
meine Aufmerksamkeit sonderlich erregt. Ich glaube, es ist auch nur der Anteil,
den Sie an diesen Menschen nehmen, der mir sie bedeutend macht.
    Von Emma spricht niemand. Ist nichts von ihr zu sagen? Armer Hugo! -
    Leben Sie wohl! Zeigen Sie mir bald mehr Vertrauen. Sophie! die Ihrige, wie
immer.
 
                      Die Oberhofmeisterin an den Komtur
Endlich ist die Entscheidung ganz nahe. In wenigen Stunden werden sie getraut.
Dann sind die lang gehegten Wünsche erfüllt. Die unruhige Sorge findet ihr Ziel.
Das Geschick muss seinen Gang gehen.
    Zum letztenmale habe ich heute über meine Tochter bestimmt, für sie gedacht,
gehandelt, ihren Willen gelenkt, wie es ihrem Vorteile, ihrer Zufriedenheit
angemessen war. Von jetzt an nimmt ein Anderer, mehr oder weniger ein Fremder,
das Band, an dem ich sie, ihr selbst unbewusst, leise führte, aus meiner Hand.
Ich lasse es zu. Die Ordnung der Natur will es so. Alle Mütter machen spät oder
frühe dieselbe Erfahrung. Aber gestehen Sie, dass man sehr resignirt sein muss, um
sich ohne innere Verzweiflung, so gleichsam entfernt zu sehen.
    Emma scheint glücklich. Ich sage scheint, denn was weiß sie, ob sie es ist.
Mir erregt ihre Heiterkeit die unbezwinglichste Eifersucht. Ist es denn etwas
anders als Wankelmut, dass sie ihr Heil von einem ungekannten Verhältnisse
erwartet, von dem sie sich weit eher abwenden, als darauf hinsehen sollte; da es
sie von allem, was ihr wert und teuer sein muss, losreist. Vielleicht kann man
es ein Glück nennen, dass die Unerfahrne wie mit Blindheit geschlagen, nur von
goldenen Ketten träumt, und so lange damit spielt, bis der Druck der Fessel ihr
zur andern Natur geworden ist.
    Wenn ich indes einer Seits diese Täuschung segne, so drängt mich auch von
der andern unendlich vieles, sie aufzuheben.
    Um aufrichtig zu sein, Ihr Neffe selbst fordert mich dazu auf. Ihre Gunst
hat ihn nicht liebenswürdiger gemacht. Jener Anstrich von Wehmut, der sich
früher so gut zu seiner Verlassenheit, und den anscheinenden Unbilden des
Geschicks passte, ist ein stehender Zug seines Temperaments geworden, und zu
einer Art schmerzlicher Resignation ausgeartet, die ans Beleidigende gränzt.
    Alles lässt er geschehen. Er selbst bestimmt nichts, als dass er Emma sogleich
nach der Trauung auf eine Ausflucht in die Schweiz entführt. Denn nur darin,
wovon er gewiss sein
