 das? wer spricht so zu mir? Ich hatte Mühe, die peinliche, unsichre,
unstäte Tante in dem entschiedenen Benehmen wieder zu erkennen. Sie, die ein
Regenschauer zur unrechten Zeit bestürzt und eine zerbrochene Fensterscheibe
betrübt macht, die nicht weiß, darf sie einen Entschluss fassen? oder muss sie den
Gedanken daran aufgeben? die hundertmal fragt und doch nur schüchtern dem
empfangenen Rate folgt, sie wusste mit einemmale, was sie wollte, was ich sollte
, und behend, wie eine gewandte Fee, hatte sie die verborgenen Fäden meines
Innern zum Lenkseile ihres Willens gemacht!
    Ich brach in Tränen aus. Ich war innerlich empört, dass mir Jemand seine
Meinung aufzwingen wollte, ich stieß diese Meinung von mir, sie sollte nicht
Herr über mich werden. Sie ward es doch! - Ich brach matt in mir zusammen, ich
weinte, wie ein gescholtenes Kind, ich versprach Alles, und bin noch hier!
    Warum kam auch Ihr Brief nicht zu rechter Zeit, Hugo? Ich wäre längst von
hier fort gewesen, ehe die Aengstliche, durch das schlechte Wetter noch
ängstlicher gemacht, auf alle die Einwendungen und Fragen verfallen wäre. Es
wäre nun geschehen, und ich in meiner Unbesonnenheit wohl noch unwissend und
glücklich! Nun, da mir die Gefahr gezeigt ward, fehlt es mir freilich an Mut,
sie zu bestehen, denn ich bin nicht herzhafter, als uns Frauen der Himmel
machte, nur blinder, wie die Meisten. Ich schwanke noch über die Frage, ob
kurzsichtiger oder überhinsehender? Es ist ein Unglück, Hugo! wenn Gesichtskreis
und Standpunkt nicht recht für einander passen.
    Ich sollte eigentlich hier schweigen, und es erwarten, dass Sie mich tadeln,
ohne weitern Versuch, Sie mit meinem Unbestand auszusöhnen. Doch Eins will ich
Ihnen noch sagen. Hier bleibe ich einmal nicht. Das steht fest. Ich ertrage den
Widerspruch in mir selbst kaum noch, deshalb will ich vor der Hand zuerst mehr
Freiheit gewinnen, ehe ich über mich bestimme. Bei Sophie denke ich diese zu
finden. Sobald das Wetter nur einigermaßen erträglich wird, eile ich zu ihr ins
Stift. Und dann! - und dann! - O mein Gott! wie schlägt mir das Herz vor
Entzücken; glauben Sie mir, das Verständigere ist auch am Ende das Beste. So wie
es war, wäre es doch nicht wieder geworden! Die Unbefangenheit ist hin! Der
frische Hauch verduftet. Im Sommer werden die Schatten auch dichter, und die
Natur ernster. Die hohen Blumen entwickeln sich langsamer, aber sie blühen
länger.
    Der Frühling zaubert mit lachendem Übermute seine üppige Welt zu unsern
Füßen. Doch Zeit und Menschen gehen rasch darüber hin. Der Augenblick der Jugend
muss rauen Übergängen und
