 hat unserm Nachbar, dem Prior der Premonstratenser, den Todtesfall
berichtet, mit dem Bedeuten, mich davon in Kenntnis zu setzen. Es ist ein
trockener Bericht, den ich Ihnen erspare. Schon einige Zeit vorher hatte
Tavanelli hier und da dunkle Winke von dem früh beendeten Geschick der Gräfin
gegeben. Man erzählte sich davon, doch glaubte Niemand dem unstäten,
herumstreichenden Flüchtling, der überall war, nirgends verweilte und eben so
verworren als vermessen redete. Gleichwohl scheint er in einer Art Verkehr mit
den Reisenden gestanden zu haben. Es ist sogar wahrscheinlich, dass ihn die
Oberhofmeisterin in Aufträgen versandte. Vielleicht folgte er ihr auch nur in
seiner Verzweiflung, da er hier nicht auszuhalten vermochte. Der Zustand, in
welchem er sich darauf wieder zeigte, die Vorgänge in der Mühle, die wilden
Phantasien, denen er fast erlag, deuteten auf gewaltsame Erschütterungen des
Gemüts, die jede seiner Äußerungen verdächtig machen. Die Tannenhäuserin sagte
mir zuerst davon, auch dass er Hugo im Walde getroffen, als dieser mit dem Gewehr
auf dem Rücken den Forst durchstrich; erschrocken sei er erst geflohen, dem
Grafen jedoch später in den Weg getreten und den Hut abziehend, stotterte er
hastig und furchtsam unverständliche Worte vom Tode der Gräfin.
    Hugo, von unaussprechlichem Schmerz ergriffen, stierte dem wahnsinnigen
Tavanelli unbeweglich nach, als dieser schnell wie der Blitz davon eilte.
Todtenblass, sagte mir die Frau, sei der Graf zu ihr eingetreten, habe ihr den
Vorgang erzählt, sogleich aber hinzugesetzt: Er wisse wohl, was von Faseleien
eines kranken Menschen zu halten sei, doch gestehe er, könne er des gehabten
Schreckens noch nicht Herr werden.
    Es ist hierdurch so viel gewonnen, dass die Wahrheit ihn nicht ganz
unvorbereitet trifft. Doch wird sie ihn gewaltig fassen. Es ist unmöglich, dass
seine jetzige Freiheit ihm nicht die Qual solcher Träume gäbe, in denen man
fliegt und fliegt, und plötzlich fällt und erwacht. Ich weiß nicht, wie er mit
sich selber steht? Was er sich sagen, wie er sich beruhigen wird? Der erste
Augenblick wird schrecklich sein! Doch die Notwendigkeit, vor sich zu bestehen,
leihet dem Willen sehr vieler Menschen so beruhigende Gründe, dass die Phantasie
blass und das Gefühl stumm wird. Auch heilen die Schmerzen des Gewissens am
schnellsten, weil sie die unbequemsten sind. Wer weiß, regen sich selbst diese
Schmerzen in ihm! Die Umstände müssen Vieles auf sich nehmen, was die
verzärtelte Brust nicht tragen kann. Der Schreck macht bald genug mattem
Bedauern Platz.
    Nein, ich will nicht bitter sein! Gewiss nicht! Doch sonderbar genug,
verletzt mich dieser Tod mehr, als er mich rührt; ihn wie eine Tat, nicht wie
eine Schickung betrachtend, suche ich
