 Wege bist Du.
    Ich gestehe Dir, dass ich Deine Versöhnung mit Emma wünsche. So gewisse, lose
Bande kannst Du brauchen, um einigermaßen im Gleichgewicht zu bleiben. Im
Allgemeinen ist die Ehe ein Unding für Dich. Aber die bescheidene Frau, die
nichts will, als nur nicht gerade einer Andern nachstehen, die in allem Übrigen
zurücktritt, Dich verehrt und willig gewähren lässt, die kannst Du leiten. Sie
wird Dir überall folgen, ohne Dich zu hindern. Und wenn dabei auch nichts anders
herauskommt, als dass Dir selbst klarer bewusst wird, indem Du Deinen Willen auf
einen Andern übertrügst. Schüler, Hugo! machen erst Meister.
    Auch ist man dem Rufe immer etwas schuldig. Du kannst nicht wohl aus einem
Bündnis heraustreten, dem die verjährte Meinung Heiligkeit beilegt. Stösst man
erst die Welt vor den Kopf, so entstehen tausend und tausend andere Köpfe, die
Arme und Beine, und Füße und Hände kriegen, und den Weg durch sie hin
unbeschreiblich unbequem machen.
    Entschliesse Dich daher schnell. Mache Deinen Frieden mit Emma. Im Grunde
verlangst Du selbst danach. Es wird Dir eben nicht schwer werden. Herrschest Du
doch immer noch in dem allzu abhängigen Herzen. Deine Überredung bringt die
Mutter ohne Weiteres zum Schweigen, daran ist kein Zweifel. Und was will denn
diese hoch und stark gesinnte Mutter anders, als ihr einziges Kind in seinen
Rechten ungekränkt, frei und würdig bewahrt wissen. Ich gestehe Dir, diese Frau
scheint mir unter denen, die Du nennst, die Bedeutendere. Ist ihr Weg auch ein
ziemlich alltäglicher, so ist er doch scharf und bestimmt gezeichnet. Sie kann
sich nie um einen Schritt verirren, und erreicht sie ihr Ziel nicht, so kommt es
ihr gleichwohl nicht aus den Augen. Sie wird Deiner Wiedervereinigung mit Emma
nicht hinderlich sein, sobald sie nur die Nebenbuhlerin entfernt weiß. Dass diese
sich entfernen ließ, dass sie Dich aufgab, dass der Schrecken sie von dem dreisten
Fluge zurück auf die Erde schleudern konnte, dass sie sich da winselnd krümmte -
weg, Hugo! Weg von dem charakterlosen Wesen, das zu der kühnen Luftfahrt alles,
nur keine Schwingen mitbrachte!
    Eine Besorgnis anderer Art, die mich an die Wiederherstellung Deiner frühern
Verhältnisse denken lässt, ist die äußere Unabhängigkeit. Du weißt, lieber Hugo!
wie sehr ich Anfangs gegen die Vorschläge des Komtur war, wie es mich ärgerte,
dass man Dich durch eine veränderte Stellung erhöhen zu können glaubte, wie
kindisch mir all der verwickelte Rechtskram dünkte, und was ich von solchen
Institutionen halte, an welchen Ruhe und Glück eines Menschen scheitern müssen.
Du wirst nicht glauben, dass ich der zufälligen Form mehr einräume, als sie wert
ist. Gleichwohl gibt es
