 reichen Vorrat launiger, unterhaltender Mitteilungen
für mich in Bereitschaft hält.
    Wahrhaftig, kann mich etwas mit dem Gedanken versöhnen, wieder in unsere
gute, alte Stadt zurückzukehren, so ist es allein Ihre Gnade, Ihre
liebenswürdige Gesellschaft, das elegante Haus der einzigen Frau in Deutschland,
die Hoffnung, den Zirkel dort wieder zu finden, der sich allein um solchen
Mittelpunkt versammelt.
    Sie, Gnädigste, könnten den Aufenthalt in Paris allein vergessen machen!
Welche Ansprüche auf die Dankbarkeit des deutschen Reisenden haben sie nun
vollends dadurch, dass er bei Ihnen nichts von Allem vermisst, was er im Auslande
zurückließ! Wüsste ich nur, was ich tun könnte, um mich einigermaßen eines
solchen Glückes würdig zu zeigen! die schwachen Beiträge, welche ich zu Ihrer
Unterhaltung liefern kann, sind nicht von der Art, um mir ein Recht auf die mir
so vielfach bewiesene Aufmerksamkeit zu geben. Kleine Reiseabenteuer, in denen
sich mein unbedeutendes Selbst verflochten findet, war ich schon so dreist,
Ihnen vorzulegen. Leider ist mir aber nichts Bedeutendes begegnet. Ehrlich
gesprochen, gnädige Gräfin, Leute, die nichts Besonderes sein wollen, erfahren
sehr selten etwas Außerordentliches. Die gebildete Gesellschaft duldet nirgends
auffallende Ereignisse. Überall gibt es einander ähnlich sehende Gesetze,
strenge Polizei, geebnete Straßen, über die man pfeilschnell hinfliegt, große
Städte, große Welt, und fast nur eine Sprache, ob diese französisch, englisch
oder deutsch heißt, Menschen von Erziehung reden alle aus einem Tone. Das
bestätigen uns die neuesten Reisebeschreibungen. Sie sagen immer dasselbe, wenn
sich nicht so ein guter, wandernder Künstler auf die Beine macht, und uns sein
Abenteuer zum Besten gibt. Ich versichere Sie, der Parmesankäse schmeckt in
Parma nicht anders als in unsrer Residenz, der ächte Syllerie wird überall nur
echt geschätzt, französische Köche an jedem Orte gut bezahlt, Trüffeln aus
Perigord, so wie Strasburger Pasteten machen die Reise bis nach Neapel, der Mann
von Geschmack isst im Norden und Süden gern gut, und die Frauen dürfen nur die
Augen in den Spiegel werfen, um zu unterscheiden, ob eine Pariser Toilette sie
kleide? Übrigens wissen Alle, was ein hübscher Fuß in der Welt gilt, wie er am
zierlichsten beschuhet, wie am vorteilhaftesten gesetzt wird. Wer sucht, der
wird finden, heißt es. Es suchen die Klügsten dasselbe, und Einige finden es
überall. Der ganze Unterschied besteht darin, dass dies mit mehr oder weniger
Grazie geschieht. Indes, gute Tanzmeister finden sich dann doch an den meisten
bedeutenden Orten. Selbst in Deutschland ist, Gott sei's gedankt! die Erziehung
hierin soweit vorgeschritten, dass man dreist eine Komtesse Ulmenstein neben die
gewandtèste Pariserin stellen darf. Sie sehen, gnädige Frau, etwas Neuem
