 einem modernen Kostüm blicken lässt. Da ist es alt!
    Der arme Komtur ist übrigens in den verwachsenen Kleidern auch nicht auf
Rosen gegangen. Es ist nicht leicht, das Unnatürliche mit sich selbst in
Übereinstimmung zu bringen. Der Mann weiß heute zur Stunde noch nicht, was er
auch sagen mag, ob er recht oder unrecht daran getan hat, den Bruder aus der
väterlichen Erbfolge auszuschliessen. Deshalb mein Besuch hier.
    Mir ist die ganze Geschichte fatal. Ohne dies Verhältnis zu Emma und die
unruhige Geschäftigkeit ihrer Mutter, die sehr geschickt die Musse und den
Verstand einer Stiftsdame zu ihren Zwecken benutzte, wäre es niemals dahin
gekommen.
    Noch einmal, ich bin hier! und werde der Erbe eines reichen Mannes auf
Kosten entfernter Vettern, die gewiss eine andere Rechnung gemacht hatten.
    Meine Ankunft, wie mein Aufenthalt, ruht eben dieser Vettern wegen unter
einer Art geheimnissvollem Schleier. Ich zog in der Nacht hier ein. Den Wagen,
der mir entgegen geschickt wurde, benutzte ich nicht. Ich blieb zu Pferde und
ritt bescheiden hinter des Oheims Equipage. So ist auch ungefähr mein Benehmen
geblieben. Das heißt, ich stelle nichts vor und lasse mich vorstellen.
    Unsere erste Zusammenkunft war von beiden Teilen steif. Das konnte nicht
anders sein. Der Komtur ist von Natur ein wenig allzu hoch, für einen Sinn, wie
der meinige. Ich bin immer ich selbst. Wir fanden uns gegenseitig nicht
besonders befriedigt. Indes hege ich niemals Groll gegen einen Menschen. Meine
Brust hat keinen Raum für ein rein gehässiges Gefühl. Und Gründe, es zu
erzeugen, fallen stets durch ruhige Betrachtung des Zusammenhangs feindlicher
Verhältnisse, in Nichts zusammen. Ich sehe die Dinge wie sie sind. Damit hat in
der Regel die Critik ein Ende. Ich bin fertig in mir, und lasse es gut sein.
    Diese ruhige Stimmung macht mich unbefangen. Ich streite nicht mit dem alten
Manne. Wir nähern uns durch Gewohnheit.
    An Emma habe ich geschrieben. Das vermittelnde Stiftsfräulein ist zu ihrer
Mutter gereis't. An dem ganzen Gewebe fehlt nichts mehr, als dass es aufgerollt
wird. Der Komtur hat schon Hand daran gelegt, und ich bin nun mit meinem
Geschick am Ziele.
    Das wäre ja wohl ungefähr das Wesentliche, was ich von mir zu melden hätte!
Historisch betrachtet, ganz erstaunt viel! Für mich selbst, unglaublich wenig.
Ich kann Dir nicht sagen, wie lächerlich mir zuweilen all die Anstalten für das
Leben erscheinen. Dies selbst geht darüber hin. Das Lästige bleibt auf den
Schultern liegen. Der unbefangene Genuss verflog, ehe man ihn kennen durfte.
    Ich wünsche Dir Glück zu Deiner Freiheit. Halte sie in Ehren. Verschleudre
sie um kein Schaugericht. Man wird nicht satt
