 liegt es in der Natur des auffallenden Schrittes überhaupt, dass jede
Handbreit Weges erkämpft sein will? Vielleicht beides zugleich; denn eine reine
Tat muss sich vielfach bewähren, um mit dem eigenen Bewusstsein zurecht zu
kommen.
    Ihnen, Sophie! mag ich es nicht bergen, dass ich große, innere Anfechtungen
zu erdulden habe.
    Wenn ich die sonderbare Richtung bei Hugo, im Widerspruch mit dem
Bestehenden des Lebens, so bis zur Unnatur leidenschaftlich losbrechen, ihn
rechts und links nur zerstören, und nichts an die Stelle setzen sah, als
Scherben und Splitter, wenn ich es ihm anfühle, dass es ihm auch nur um diese
Siegestropheen der Willkür zu tun ist; dann sage ich mir: das ist der ätzende
Bodensatz bitterer Gährung. Der gekränkte Vater, die betrübte Mutter, das
bewegte Jugendleben, das hat den Stolz entflammt, den weichen Sinn gehärtet, den
ganzen Menschen zu einer Waffe der Selbstverteidigung geformt! Hätte ich das
einmal Geschehene seinen Gang gehen, es sich mit der Zeit fortbewegen lassen, es
ist kein Zweifel, diese hätte mit neuen Ansichten auch neue Gründe gefunden, das
Verletzte zeitgemäss und natürlich zu ergänzen. Mein Bruder wäre im Besitz des
väterlichen Erbes geblieben, so lange ich nicht protestirte. Er lebte vielleicht
noch, und hätte es erlangt, sich mit späteren Agnaten über die Stiftungsacte des
Majorats zu vereinen, denn es wiegen sich momentane Vorteile sehr schnell gegen
spätere Ansprüche auf. Der Mensch der Gegenwart hält es gewöhnlich mit dem
Sprüchwort vom Sperlinge in der Hand und den zehn andern auf dem Dache. An
historische Existenz denkt und kann der nicht denken, dessen augenblickliche
bedroht ist.
    So würde sich dann auf andere Weise gestaltet haben, was jetzt auf Umsturz
hinarbeitet, und über kurz oder lang zerfallen muss. Denn es ist keine Frage, was
ich tat, einer frivolen, selbstsüchtigen, gewissenlosen Richtung entgegen zu
wirken, hat diese nur gefördert. Hugo ist das Kind empörter Elemente. Er steht
gewaffnet gegen mich auf, und wird das Recht, welches die Jugend gegen das Alter
mit so leichter Scheinbarkeit behauptet, aufbewahren. Meine Tage sind ihrem Ende
nahe, der neue Tag, der mit ihm beginnt, führt keine wohltätige Sonne herauf.
Ich ahnde das Ungewitter und die Ausbrüche vulkanischer Gährung, die das lang
Bewahrte, langsam Geschaffene, in raschen Stößen zerstören werden.
    Bei dem Allen ist es mein Trost, nach innigster Überzeugung festgestanden,
und dem gemäß, der Gefahr entgegengetreten zu sein.
    Es bleibt mein Trost, sage ich, es ist der wiederkehrende, beruhigende
Gedanke, wenn tausend Erschütterungen mich von allen Seiten fassen und mein Herz
zerdrücken, meine Seele zerreißen.
    Sehe ich auf meine nächsten Umgebungen, was erblicke ich? den Neffen, den
Erben meines
