, das unedlere Gewerbe der Wegelagerei wieder zu ergreifen, war des Grafen
von Montfort Aufgabe über alle Massen trefflich gelungen, und die Beute richtig
geworden. Ein solcher Fang warf zu viel an Gewinn ab, und war überhaupt so
selten in der Rechnung der Herren vom Stegreif, als dass sich die Letzteren nicht
hätten etwas zu Gute tun sollen. Bechtram mit seinen Genossen bankettirte Tag
aus, Tag ein, was doch sonst seine Sache nicht war; seine Hausfrau hatte alle
Hände vollauf zu tun, um ihre Gäste zu bewirten, und Wallrade hatte in ihrem
männlichen Geiste mit überraschendem Scharfblick den Standpunkt erfasst, von
welchem sie ohne weitere Demütigung in das Gewühl um sie her herniedersehen
konnte. So finster es auch in ihrem Innern wogte, so heiter und glatt hatte sie
die Stirne gelegt. - Nicht die Gefangene schien sie zu sein, - preisgegeben der
harten Willkür räuberischer Wächter; - eine Fürstin vielmehr, die sich es
gefallen lässt, auf kurze Zeit von dem Gipfel ihrer Größe in's gemeinere Leben
herniederzusteigen, und durch ihre Gegenwart das Haus eines ihrer ärmern
Wasallen zu beglücken. Den Zwang, der sie drückte, wusste sie unvermerkt in den
Hintergrund zu drängen, und zu ihrem Diener zu machen, dass es den Anschein
hatte, als sei jede Beschränkung ihre freie Wahl. Sie sah auf den Lippen oder
der Stirne ihrer Hüter keinen Befehl, keinen Wunsch schweben, den sie nicht
plötzlich erraten, und zu ihrem eigenen Willen gemacht, ihn also geäußert
hätte. Sie vermochte es über sich, dem ganzen Abenteuer eine scherzhafte Seite
abzugewinnen, und dann und wann mit feinem Spott ihren Umgebungen merken zu
lassen, dass der ganze Vorfall ihr nichts weniger, als wichtig erscheine, sondern
im Gegenteile kurzweilig und ergötzlich, da er über Kurz oder Lang dennoch ein
für sie erwünschtes Ende nehmen werde. Mit verächtlicher Kälte hatte sie ihre
Kleinodien und ihre Barschaft den Räubern hingegeben, mit unbefangner Ruhe
hatte sie es mit angesehen, da Frau Else, Bechtram's Hauswirtin, ihre
breitschultrige, unangenehme Gestalt mit diesen Kostbarkeiten geschmückt, und
sich ihr also geputzt wie in höhnendem Scherz vorgestellt hatte. Den derben
Übermut des Burgherrn und seiner Freunde vergalt sie eben so mit
unempfindlicher Derbheit, des Leuenberger's und Petronellen's schadenfrohen
Spott mit schalkhaften Antworten, die die Lacher auf ihre Seite brachten; und
stand im Ganzen genommen da, nicht wie ein eingekerkert schwaches Weib, sondern
wie ein zu Schutz und Trutz gerüsteter Kämpfer, der keine Blöße gibt, ohne die
des Gegners zugleich zu treffen. - Je unerwarteter dieses Benehmen den Innsassen
und Gästen Neufalkensteins war, je weniger verfehlte es seinen Zweck, und die
kräftige Wallrade hatte die Genugtuung, bald den Erfolg zu beobachten. -
Bechtram,
