 der alte Dieter hieher geleitet, und
samt einem holden Töchterlein in meine Verwahrung gegeben hat, bis auf weiteren
Befehl. Er nimmt Anteil und Sorge an dem Töchterlein, sagt er, und ich glaube
es wohl, denn man müsste blind sein um nicht die Wahrheit zu erraten. Er findet
es nicht geraten, das Mägdlein und deren Mutter in seinem eignen Hause zu
beherbergen. Das meine ich auch, sintemalen die Hausfrau daselbst das Regiment
führt, und solche vom Himmelgefallene Kinderleins mit scheelen Augen ansehen
würde. Da soll denn nun mein guter ehrlicher Schellenhof das Nest sein, wo
fremde Eier, Kuckuckseier, verwahrt werden mögen.« - »Aber, was bedeuten denn
diese Reden?« fragte Ester: »was meint Ihr damit?« - »Dass den alten Herrn der
Leidige zu unrechter Zeit geblendet hat,« eiferte die fromme Crescentia; »und
dass hier die Schande verborgen werden soll. Meinetalben; ich bin eine alte
Magd, und mich kümmert nicht, was die Herrschaft tut oder lässt; ich sehe daher
auch ganz ruhig zu, und will, - dem Befehl des Herrn zu folgen, sogar mich
bezähmen, und die Dirne, die gleichmütig dasitzt wie die Unschuld selbst, nicht
einmal ausfragen, sondern die Sachen gehen lassen, wie sie eben können, aber,
wenn die ehrsame Frau heraus kommt, wie sie in jedem Frühling ein Paarmal zu
tun pflegt, und mich die Stuben aufsperren heißt, und die ganze Bescheerung
sieht, dann wasche ich meine Hände in Unschuld, und dem alten Herrn von sechzig
Jahren und darüber, dem ich stets etwas Besseres zugetraut hätte, geschieht dann
recht. - Aber,« setzte sie, plötzlich leicht errötend hinzu: »da bemerke ich so
eben, dass ich in der Fülle meines Herzens und meiner Gedanken alles
herausgesprochen habe, was ich mir als Wahrheit einbilde. Das will sich für eine
alte treue Wächterin nicht wohl geziemen. Du magst es jedoch der Geschwätzigkeit
des Alters zu Gute halten, und es wieder vergessen. Besonders empfehle ich Dir,
gegen den Jungherrn bei dessen Rückkehr nicht das geringste merken zu lassen,
denn Kinder müssen nichts erfahren von den Verirrungen ihrer Eltern, selbst
nicht einmal so würdige und wackre Söhne, wie Junker Dagobert.« -
    Als die Alte hinweggegangen war, setzte sich Ester in einen Winkel, und
machte ihrem gepressten Herzen durch einen Strom von Tränen Luft. »Wie
unglücklich bin ich!« klagte sie still und leise vor sich hin: »Und wie kommt
es, dass mir jetzt gerade einfällt das wahrsagende Wort, so einst der Altvater
Jochai zu mir gesprochen, da er mich warnte vor der Hinneigung zu den Bekennern
des Gekreuzigten? Hat er nicht damals vor meinen Augen gestellt
