 mit leuchtenden Augen:
»herrlich, über alle Beschreibung. Wir werden wieder sein wie Sand am Meere,
herrschend über alle Völker der Erde. Das Leben wird verfliessen in
unvergänglichen Laub- und Friedenshütten! Das neuerbaute Jerusalem wird sein die
Stadt der Welt, und in seinem Tempel werden alle die vom Weibe geboren sind,
dienen und opfern. An Üppigkeit werden die Saaten ins Unendliche gedeihen, das
Korn zu riesenhohen Garben erwachsen, die Weinstöcke ungeheure Trauben erzeugen,
die Flüsse Milch und Honig fluten. Selbst die Gestirne werden sich des
herrlichen Zeitalters freuen, der Sonne dreihundertfältiger Strahl den Himmel in
Paradiesesglut tauchen, des Mondes Schein die Nacht zum schönsten Maientag
verklären!«
    »Welch' reizende Zukunft!« rief Ester hingerissen: »Warum ist sie nicht
schon zur Gegenwart geworden!«
    »Noch zürnt der Gebenedeite!« versetzte Jochai mit zerknirschter Beugung des
Hauptes: »noch hört er nicht die Stimmen seiner Kinder, die zu ihm schreien aus
der Tiefe. Noch hält der Vater des Bösen, der Fürst der Wildnis, der grausame
Sammael das Ohr des Herrn verstopft, weil er nicht will, dass unsere Gebeine
ruhen im Schoße des gelobten Landes. Aber endlich wird der Schrei unsrer Not
dennoch zu dem lieblichen Gabriel dringen, dem Boten der Barmherzigkeit, und
jede neue Morgenröte kann uns den Verheissnen senden, - mit ihm unsre Rettung.«
    »Käme sie doch morgen schon!« seufzte Ester: »Ich verliere alle Lust zum
Leben, und mir ist gar oft der sündhafte Gedanke gekommen, als wäre doch am Ende
besser eine Christin zu sein auf Erden, als ...«
    »Rede nicht aus!« fuhr Jochai auf: »Der Herr nehme den Greuel von Dir, den
Du gedacht! Warum hegst Du so töricht Verlangen, das Dich in das Feuer der
Gehinnam bringen könnte?«
    »Verzeihe mir, Großvater!« sprach die liebliche Ester, und kreuzte die
Hände bereuend auf der Brust: »aber gestehe, dass wir dahin leben, wie die
trauernde Weide am sumpfigen Teiche. Ihr Männer geht aus in die Welt, seht
Länder und Menschen, und gewinnt mühsam dem geizigen Gojims Euer Leben ab. Diese
Art zu sein hat manche Freiheit, manche Lust. Wir aber, wir vertrauern unsre
Tage daheim. Versorgt auch Eure Güte uns mit den Leckerbissen, die uns behagen,
mit der Bequemlichkeit die unsre Lust ist, mit dem köstlichen Putz, der uns so
sehr gefällt, ... was hilft uns dieses Alles? Von der harten Fessel eingeklemmt,
müssen wir all die Herrlichkeit genießen, verstohlen, wie ein Dieb seinen Raub.
Vor der gaffenden Welt erscheinen wir nicht, oder im unscheinbaren Gewande, in
erlogner Dürftigkeit. Die
