 und Liebe,
zeigten sich gegenseitig die prachtvollen Ostereier, die sie empfangen, gesandt
in zierlichen Körben, oder auf seidenen und duftenden Kissen, und mit den
niedlichsten Sprüchen bemalt. Der zärtliche Freier benutzte das Dämmerdunkel des
Ofenschattens, um der Geliebten das Geschenk wieder zum Geschenke zu machen, und
einen süßen Blick dafür zu erhalten. Gespielinnen und Freunde bekränzten sich
gegenseitig mit den Blumen, in welchen die Ostergeschenke gelegen, und mancher
zärtliche Reimspruch ging von Munde zu Munde. Während dessen redeten die jungen
Frauen von der Herrlichkeit der bevorstehenden Frühlingsfeste, die älteren von
dem Barfüsser, der heute das wirksamste und ergötzlichste Ostergelächter erdacht,
von der Deutschherrenkirche, in welcher das ansehnlichste Osterlicht zu schauen
gewesen, und von dem Bäcker, der die schmackhaftesten Fladen zum Feste
geliefert. Unter den Männern ging hingegen vom Wechsel und Gewerbe die Sprache,
von Gerichten, Fehden und dem Koncilium. Trotz diesen ganz verschiedenen
Redestoffen stand dennoch die Menge beisammen auf einem Knaul, als ob das
Gespräch nur einen und denselben Gegendstand beträfe; zwei Herren allein hatten
sich von der Versammlung abseits gezogen, und besprachen sich eifrig in einer
Ecke des Gemachs: der Schultheiß und der Oberstrichter. - »Ihr würdet mich zur
ewigen Dankbarkeit verpflichten,« sagte der Letztere, das Gespräch zu Ende
leitend, »wenn Ihr dem Jungen irgend einen Denkzettel anhängen wolltet. Ihr
findet eher die Gelegenhenheit hiezu, denn ich. Mir dürfte er schwerlich in's
Gehege kommen.« - »Ich denke, mir ist er schon in's Gehege geraten;« entgegnete
der Schultheiß finster: »seid unbesorgt, ehrbarer Herr; was man sucht, findet
sich wohl; ich bin vielleicht sogar bald im Stande, Euch über wichtigere Dinge
Aufschluss zu geben, denn ich vermute nicht mit Ungrund, dass in jenem Hause
gewisse Verhältnisse obwalten, die bis jetzt gut getan haben, sich mit dem
Schleier des Geheimnisses zu verhüllen.« - »Meint Ihr, gestrenger Herr?« fragte
der Oberstrichter schnell: »Das wäre Wasser auf meine Mühle, und wenn die Dinge
von der Art wären, mein Amt zu beschäftigen, .... um desto besser.« - »Ich
verspreche noch nichts;« antwortete der Schultheiß einlenkend: »ich weiß von
nichts. Die Zeit wird lehren, wie ich mich zu verhalten haben werde.« - Der
Andre bückte sich mit der Freundlichkeit, die willig vor dem Mächtigern
verstummt, und ihre Neugier in den Zaum nimmt. Das Stubenmeisteramt, das der
Schultheiß bekleidete, machte ihm die nächsten Anordnungen der Tafel zur
Pflicht, und als Alles besorgt war, und er schon mit dem silbernen Stabe in das
Gemach schreiten wollte, um der harrenden Gesellschaft das Zeichen zum Mahle zu
geben,
