 zu Zeit seh ich den Alten gern,
Und hüte mich mit ihm zu brechen,
Es ist gar hübsch von einem großen Herrn,
So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.«
 
                                       IV
                            Der Festtag im Fegefeuer
                                  Eine Skizze
                Das größte Glück der Geschichtsschreiber ist, dass die Toten
                nicht gegen ihre Ansichten protestieren können.
                                                                Welt und Zeit. I
                              Achtzehntes Kapitel
                            Beschreibung des Festes.
                  Satan lernt drei merkwürdige Subjekte kennen
Ich teile hier einen Abschnitt aus meinen Memoiren mit, welcher zwar nicht mich
selbst betrifft, den ich mir aber aufzeichnete, weil er mir sehr interessant
war, und vielleicht auch anderen nicht ohne einiges Interesse sein möchte. Er
führt die Aufschrift »Der Festtag im Fegefeuer,« und kam durch folgende
Veranlassung zu diesem Titel. Es ist auf der Erde bei allen großen Herrn und
Potentaten Sitte, ihre Freude und ihre Trauer recht laut und deutlich zu
begehen. Wenn ein aus fürstlichem Blute stammender Leib dem Staube wiedergegeben
wird, haben die Küster im Land schwere Arbeit, denn man läutet viele Tage lang
alle Glocken. Wird eine Prinzess oder gar ein Stammhalter geboren, so verkündet
schrecklicher Kanonendonner diese Nachricht. Landesväterliche oder
landesmütterliche Geburtstäge werden mit allem möglichen Glanz begangen; die
Bürgermilizen rücken aus, die Honoratioren halten einen Schmaus, abends ist
Ball, oder doch wenigstens in den Landstädtchen bière dansante; kurz, alles lebt
in dulci jubilo an solchen Tagen.
    Um nun meiner guten Großmutter eine Ehre zu erweisen, hielt ich es auch
schon seit mehreren Jahrhunderten so. Im Fegefeuer, wo sie sich gewöhnlich
aufhält, ist immer an diesem Tage allgemeine Seelenfreiheit. Die Seelen bekommen
diesen Tag über den Körper, den sie auf der Oberfläche hatten, ihre Kleider,
ihre Gewohnheiten, ihre Sitten. Was von Adel da ist, muss Deputationen zum
Handkuss der Alten schicken (in pleno können sie nicht vorgelassen werden, weil
sonst die Prozession einige Tage lang dauerte). Ehemalige Hofmarschälle,
Kammerherren usw. haben den großen Dienst, und schätzen es sich zur Ehre, die
Honneurs zu machen, die Festlichkeiten zu leiten, die Touren bei den Bällen,
welche abends gegeben werden, zu arrangieren usw.
    Ich erfülle durch diese Festlichkeiten einen doppelten Zweck; einmal fühlt
sich chère Grande-Mama ungemein geschmeichelt durch diese Aufmerksamkeit,
zweitens gelte ich unter den Seelen für einen honetten Mann, der ihnen auch ein
Vergnügen gönnt, drittens macht dieser einzige Tag, in Freude und alten
Gewohnheiten zugebracht, dass die Seelen sich nachher um so unglücklicher fühlen;
was ganz zu dem Zweck einer solchen Anstalt, wie das Fegefeuer ist, passt.
    An einem solchen Festtag gehe ich dann verkleidet durch die Menge; manchmal
erkennt man mich zwar, ein tausendstimmiges: »Vivat der Herr Teufel! vive le
diable!
