, die
Lorgnette so fein und gefällig gearbeitet, wie sie nur immer aus der Fabrik der
Herren Lood in Werentead hervorgeht, so stellte ich mich den erstaunten Blicken
des Juden dar; dieser war mit seiner modischen Toilette noch nicht halb fertig
und hatte alles höchst sonderbar angezogen, wie er z.B. die elegante, hohe
Krawatte, ein Berliner Meisterwerk, als Gurt um den Leib gebunden hatte, und
fest darauf bestand, dies sei die neueste Tracht auf Morea.
    Nachdem ich ihn mit vieler Mühe geputzt hatte, brachen wir auf. Im Wagen,
den ich, um brillanter aufzutreten, für diesen Abend gemietet hatte, wiederholte
ich alle Lehren über den gesellschaftlichen Anstand.
    »Du darfst,« sagte ich ihm, »in einem ästhetischen Tee eher zerstreut und
tiefdenkend als vorlaut erscheinen; du darfst nichts ganz unbedingt loben,
sondern sehe immer so aus, als habest du sonst noch etwas in petto, das viel zu
weise für ein sterbliches Ohr wäre. Das Beifallächeln hochweiser Befriedigung
ist schwer, und kann erst nach langer Übung vor dem Spiegel völlig erlernt
werden; man hat aber Surrogate dafür, mit welchen man etwas sehr loben und
bitter tadeln kann, ohne es entfernt gelesen zu haben. Du hörst z.B. von einem
Roman reden, der jetzt sehr viel Aufsehen machen soll; man setzt als ganz
natürlich voraus, dass du ihn schon gelesen haben müssest, und fragt dich um dein
Urteil. Willst du dich nun lächerlich machen und antworten, ich habe ihn nicht
gelesen? Nein! du antwortest frisch drauf zu: Er gefällt mir im ganzen nicht
übel, obgleich er meinen Forderungen an Romane noch nicht entspricht; er hat
manches Tiefe und Originelle, die Entwickelung ist artig erfunden, doch scheint
mir hie und da in der Form etwas gefehlt und einige der Charaktere verzeichnet
zu sein.
    Sprichst du so, und hast du Mund und Stirne in kritische Falten gelegt, so
wird dir niemand tiefes und gewandtes Urteil absprechen.«
    »Dein Gewäsch behalte der Teufel«, entgegnete der Alte mürrisch; »meinst du,
ich werde wegen dieser Menschlein, oder gar um dir Spaß zu machen, ästhetische
Gesichter schneiden? Da betrügst du dich sehr, Satan, Tee will ich meinetwegen
saufen, soviel du willst, aber -«
    »Da sieht man es wieder«, wandte ich ein, »wer wird denn in einer honetten
Gesellschaft saufen? wieviel fehlt dir noch, um heutzutage als gebildet zu
erscheinen! nippen, schlürfen, höchstens trinken - aber da hält schon der Wagen
bei dem Dichter, nimm dich zusammen, dass wir nicht Spott erleben,. Ahasvere!«
    Der Dichter setzte sich zu uns, und der Wagen rollte weiter. Ich sah
