 dringenden Bitten
nachzugeben und die geliebte Einsamkeit meines Stiftes mit dem Leben in dieser
geräuschvollen Stadt auf einige Zeit zu vertauschen.«
    »Et Dieu en soit loué mille fois,« rief die ehrliche Virnot; »denn dieses
haus bedarf jetzt mehr als je an seiner Spitze einer Dame, wie Ihr Hochwürden
Gnaden sind, und unsre junge Demoiselle einer Leitung, wie Sie allein ihr
gewähren können. Ich war ja von jeher nur ihre Bonne. Zwar obgleich ich nicht in
Frankreich selbst, sondern nur in der französischen Kolonie zu Berlin geboren
bin, französisch hat sie dennoch von mir gelernt. Madame, elle parle comme une
petite parisienne, sie hat so ganz den ächten Accent in ihrer Gewalt, eh bien,
das sind Gaben von Gott. dabei hat sie ein gewisses maintien, gewisse Manieren,
wie eine kleine Prinzessin. Das alles ist aber doch nicht genug, maintenant
qu'elle est une grande Demoiselle, kann ich das liebe Kind doch nicht mehr
überall hinbegleiten, überdem liegt die ganze Haushaltung auf mir, und so ist es
allerdings ein großes Glück, dass Ihr Hochwürden Gnaden sich der Not annehmen
wollen.«
    »Lassen Sie mich vor allen Dingen Sie bitten, liebe Virnot, mich mit dem
Titel zu verschonen, den ich außerhalb meines Stiftes, und besonders hier, übel
angebracht finde; und nun machen Sie mich mit der Not bekannt, welcher
abzuhelfen, hier meine einzige Sorge sein soll;« sprach die Tante.
    »Eh bien donc, Madame, vous le voulez,« erwiderte die Französin, nahm die
Brille ab, legte ihr Strickzeug zusammen, und rückte im Sessel sich zurecht,
dann fuhr sie folgendermaßen fort. »Au fond, glaube ich, liegt die Schuld wohl
größtenteils am cher Papa. Herr Kleeborn ist zwar ein sehr braver Mann, der
sein Kind liebt, wie ein rechtlicher Vater soll und muss. Er lässt es Vicktorinen
an nichts fehlen, er hält ihr die teuersten maitres, in allem, was eine solche
junge Demoiselle zu lernen hat, sein Haus ist das brillianteste in der Stadt.
Ach Ihr Gnaden können gar nicht glauben, wie ich mich tummeln muss, bei den
ewigen Feten, die wir geben; denn obgleich wir Bedienten die Menge haben, liegt
doch alles auf der alten Virnot, mais je le fais de bon coeur. Ja, was ich sagen
wollte, um wieder auf unsern Text zu kommen, ja, und eine Garderobe hat unsre
jeune Demoiselle, comme une petite Reine, je vous assure, Schmuck und alles, was
dazu gehört.«
    »Nun das alles will indessen nicht viel sagen, Herr Kleeborn besizt ein
fürstliches Vermögen, Alle an der Börse ziehen den Hut vor ihm ab, und
