, welch einem ehrwürdigen
Stamme er entsprossen ist, oder ob er noch ferner nur auf sich selbst
zurückgewiesen, als der Sohn eines unbekannten dunkeln Bürgers, für den er sich
hält, die Bahn verfolgen soll, für die ich ihn erzogen habe. Auch auf ihr kann
er einst als ein geachtetes, nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft
sich Ehre, Ansehen und alles, was man im gewöhnlichen Leben Glück nennt,
erwerben; es wird ihm dieses sogar leichter gelingen können, als es dem nicht
reichen, jüngsten Sohne eines alten adlichen Hauses gelingen könnte.
    Noch ein Bekenntnis bin ich Dir schuldig und warum sollte ich länger
anstehen, es Dir freimütig abzulegen? Ich habe meinen Sohn im Glauben der
Kirche erzogen, die seines Vaters Hause jetzt am nächsten steht. Raimund ist
Protestant, ich selbst bin es in meinem Herzen schon seit ich die Universität
verließ, obgleich ich nie öffentlich zu jener Kirche überging. In meinem
jetzigen Wohnorte konnte kein äußeres Bedingniss zu einem solchen Schritte mich
zwingen, gegen den ich immer eine Abneigung fühlte, und warum sollte der Mensch
das Heiligste was er hat, seinen Glauben, ohne Not und ohne Beruf den Augen der
Welt darlegen wollen? Dich aber, mein Bruder! und Deinen milden
vorurteilsfreien Sinn kenne ich zu gut, um zu fürchten dass Du mir zürnen
könntest, weil ich hier von der Bahn unsrer Väter und auch von der Deinen
abgewichen bin. Du traust mir gewiss zu, dass nur wahre innere Überzeugung mich
bestimmen konnte, und Du wirst auch meinen Raimund nicht weniger lieben, weil
sein Vater bei dessen Erziehung dieser Überzeugung gefolgt ist.
    Ob Du aber aus Familienrücksichten es nun nicht geratner finden wirst,
Raimund, den ersten Protestanten in unserem Hause, in der Dunkelheit seines
bürgerlichen Namens verharren zu lassen, darüber vermag ich, aus Unbekanntschaft
mit den Gründen, die dabei vorwalten könnten, nicht zu entscheiden. Du wirst wie
immer das Beste zu wählen wissen und ich überlasse Dich hierin mit der
vollkommensten Ruhe Deiner freien Wahl, denn ich weiß, dass Raimunds wahres Glück
nicht von der Veränderung seines Namens abhängig ist. Nur Deiner Liebe bedarf
er, wenn er nun ohne mich allein in der Welt steht, nur diese entziehe ihm
nicht, und möge er immer, wenn Du es so willst, dem süßen Wahn überlassen
bleiben, dass er sie nur Deinem Herzen verdanke und nie erfahren, dass in diesem
auch die Stimme, des Bluts für ihn spreche.
    Indessen könnten aber doch einst Zustände eintreten, die Dich bestimmten
Raimund als den, der er seiner Geburt nach ist, in der Welt auftreten zu lassen.
Ist dieses jemals der Fall, so beschwöre ich Dich, mein Bruder, bei allem was
Dir heilig ist, bei Deiner künftigen Ruhe
