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    »Ihrem Vater alles erzählen, nicht wahr?« fiel Horst ein. »Für mein Leben
gern hätte ich das getan, aber wer stand mir denn dafür, dass Herr Kleeborn mir
glauben, dass es jenem listigen Menschen nicht gelingen würde, sich weiß zu
brennen, und dem alten Herrn ein X für ein U zu machen? Denn wer in der Welt
zweifelt nicht gern so lange als möglich an einer Wahrheit, die seinen liebsten
Wünschen widerspricht? Am Ende konnte dadurch vielleicht die öffentliche
Erklärung Ihrer Verbindung nur noch beschleunigt werden. Solchen Kämpfen durfte
ich Sie nicht aussetzen, ich musste den Augenschein unwiderleglich für uns
sprechen lassen, und den sichersten Weg wählen, wenn gleich er nicht der
angenehmste war.«
    »Ich fühle wie sehr Sie Recht haben, und doch kann ich nicht umhin, die
Kränkung, die mein Vater erduldet hat, schmerzlich zu empfinden. Was sagte er
denn, wie benahm er sich?« sprach Vicktorine.
    »Danken Sie Gott, dass Sie nichts davon gesehen und gehört haben, »erwiderte
der Nittmeister, »und verlangen Sie nicht, es genauer zu erfahren. Dass der Papa
anfangs sehr wild war, können Sie sich leicht denken; Sie kennen seine heftige,
alles Widerspruchs ungewohnte Natur. Es war ein Glück, dass ich ihn nicht aus den
Augen lies, sonst wäre er hingegangen, den Sir Charles zur Rede zu stellen, und
daraus hätte doch nur sehr Unfreundliches entstehen können. Es dauerte lange,
ehe ich ihn bereden konnte davon abzustehen. Endlich willigte er ein, als ich
ihm vorstellte, dass Sie doch noch nicht förmlich versprochen wären, und daher
ein solcher Schritt von Seiten Ihres Vaters Sie nur erniedrigen könne. Am
schwersten wurde es mir, ihn über die öffentliche Beschimpfung zu beruhigen die
er erlitten zu haben glaubte, und ihm begreiflich zu machen, dass niemand
beschimpft sei, als Sir Charles selbst: Zum Glück, kam Müller bald dazu, und
half mir den aufgebrachten alten Herrn nach und nach in einem Grade besänftigen,
wie ich es selbst sobald nicht erwartet hätte.«
    »Was wird nun zunächst geschehen?« rief Vicktorine noch immer sehr
beklommen. »Wie werde ich morgen meinem Vater finden? Wie wird Sir Charles sich
ferner gegen uns benehmen? Ach wäre die Tante mir zur Seite, ohne Sie irre ich
wie verloren und weis nicht was ich ergreifen soll.«
    »Ich wollte auch, sie wäre bei uns, die würdige liebe Dame, erwiderte
Horst, wenn ich gleich vielleicht Ihnen diesmal in Ihrem Geiste raten kann.
Geduld und Kurage, glauben Sie mir, Kusinchen, damit kommt man in der Welt
überall durch und die Tante selbst vermöchte es nicht, Ihnen etwas besseres zu
empfehlen
