 ich zuerst es mir vorgesetzt hatte.«
    »So geht das Leben durch Nacht zum Licht! aus Untergang erwächst neues
Entstehen, wie am Horizonte des gestirnten Himmels ein neues Sternbild glorreich
sich erhebt, wenn andere nach vollbrachtem Laufe hinabsinken. Die anscheinend
unbedeutendste unsrer Handlungen zieht oft eine Kette von Folgen nach sich, bei
deren Betrachtung uns, wenn wir den Blick rückwärts wenden, geheimnisvolle
Schauer aus einer unsichtbaren Welt entgegen wehen. Dass ich zu übelgewählter
Zeit einen Spaziergang unternahm, daran hing, allem menschlichen Absehen nach,
das Leben dieses jungen Mannes, nebst allen den nicht zu berechnenden Folgen,
die aus seiner Erhaltung, nicht nur für ihn, sondern für alle die entstehen
können, welche mit ihm schon in Verbindung sind oder noch im Laufe der Jahre mit
ihm in Verbindung kommen werden. Wie ernst ist das Leben und wie wichtig
zugleich, wie abhängig von allem was wir Zufall zu nennen wagen! Man darf
darüber nicht zuviel grübeln, aber wie soll man es anfangen, sich dieser
Gedanken zu entschlagen, wenn die Veranlassung dazu sich auf solche Weise uns
entgegen drängt!«
    »Der Anblick der unaussprechlich reizenden Gegend, welche dicht vor jenem
Felsental mir überraschend entgegen leuchtete, entriss mich jenen vielleicht zu
ernsten Betrachtungen.«
    »Ich gebe zu, dass der Kontrast mit der eben verlassenen Wüste nicht wenig
dazu beigetragen haben mag, mir alles, was ich nun erblickte, in feenartigen
Zauberglanze zu zeigen, doch für den Moment war mir wirklich, als sei ich
plötzlich aus den Schlünden des Tartarus in Elisium versetzt, da ich im Dörfchen
Oliulles zum erstenmal in meinem Leben die ländlichen Hütten von Orangenbäumen
umgeben sah, aus denen Hunderte von Nachtigallen uns entgegen sangen, und deren
immer grüne, im herrlichsten Blütenschmucke prangende Zweige zugleich unter der
schweren Last goldner Früchte sich beugten.«
    »Unser Postillion war glücklicher Weise aus diesem Dörfchen gebürtig, und so
ward es uns nicht schwer, unsern Verwundeten hier einstweilen auf leidliche
Weise unterzubringen, bis für dessen fernere Verpflegung besser gesorgt werden
konnte. Ich ließ meinen Dubois bei ihm zurück, und ritt so schnell als möglich
dem jetzt nicht mehr weit entfernten Toulon zu, von wo ich sogleich einen
Wundarzt und eine Sänfte nach Oliulles absandte. Am nächsten Tage hatte ich
schon die Freude, den Unglücklichen in meinem Gasthofe anlangen zu sehen, wo ich
für seine Verpflegung selbst Sorge tragen kann. Bis jetzt liegt er äußerst
schwach, beinahe regungslos da, doch seine Wunden sind an sich nicht
gefährlicher Art, und der Arzt hofft mit Gewissheit, er werde genesen. Diese
Hoffnung stützt sich hauptsächlich auf die innere Kraft einer jugendlichen
unverdorbenen Natur, welche freilich durch mannigfaches Leiden, vielleicht sogar
durch harte schwere Arbeit, untergraben zu sein scheint, bei sorgsamer Pflege
