 meiner
Einsamkeit aufzusuchen, und wir feierten zum zweitenmal mit entzückender, wenn
gleich wehmütiger Freude, das Fest des Wiedersehens. Dann zog er wieder fort,
hinaus in die wildbewegte Welt, um ihr Treiben mit eigenen Augen und in der Nähe
zu beobachten. Der trügerische Schimmer echter Freiheit und hoher Bürgertugend,
den anfangs die Revolution um sich verbreitete, hatte bei ihrem ersten
Erscheinen die edelste Jugend aller Länder verblendet, und auch Bernhard fühlte
sich in der Ferne vom allgemeinen Taumel ergriffen; doch in der Nähe verschwand
das Truggebilde gar bald, vor dem richtigen Scharfblick, mit dem die Natur ihn
reichlich begabt hatte.
    Die verbündeten Mächte standen jetzt auf, um mit vereinter Kraft die
vielköpfige Hyder der wildesten Anarchie in der Geburt zu ersticken, und auch
mein Freund gesellte ihrem Heere sich zu, und teilte mit edlen Genossen alles
Unheil jener trüben verhängnisvollen Zeit.
    Tief betrübt eilte er nach dem so traurig beendeten Feldzuge zu mir zurück.
Er suchte und fand Trost und Beruhigung bei mir, dem einzigen Wesen dem er in
der Welt noch angehörte; dann wandte er sich wieder ab, um in einen
ausgebreiteteren Wirkungskreis zu treten, den die Gnade eines großen Monarchen
ihm bot, welchem er wärend jenes merkwürdigen Krieges glücklich genug gewesen
war, näher bekannt zu werden. Seine Ordenspflicht, wenn gleich nicht sein
Gelübde, wurden in der Zeit so gut wie vernichtet oder doch aufgehoben, denn
auch Malta fiel durch Feigheit und schändlichen Verrat in die Hände der
allgemeinen Welträuber. Völlig frei von dieser Seite begann jetzt Bernhard ein
sehr bedeutendes, ich darf wohl sagen, ein gewaltiges großes Leben zu führen, zu
dessen Förderung er seine vielfachen Verbindungen mit ausgezeichneten und
mächtigen Zeitgenossen sehr glücklich zu benutzen wusste. Übrigens bahnten auch
sein Geist, seine wissenschaftliche Bildung, seine Lebenserfahrung, das
Einnehmende seiner persönlichen Erscheinung überall ihm den Weg.
    Auch in meiner äußern Lage war indessen eine bedeutende Veränderung
vorgegangen. Nach langem Kampfe endlich von seinen irdischen schmerzlichen
Banden entfesselt, hatte der edle reine Geist meiner Freundin der ewigen Heimat
sich zugeschwungen. Seit Jahren musste ich unter ihrer Aufsicht alle Pflichten,
die ihr als Pröbstin des Stiftes oblagen, für sie verwalten, indem ihre große
Kränklichkeit ihr nicht mehr erlaubte, dies selbst zu tun. Gegen mein Erwarten
und ohne mein Zutun, ward ich nach ihrem Tode erwählt, als ihre Nachfolgerin
ganz an ihre Stelle zu treten und der mir dadurch zufallende Anteil an der
Verwaltung der dem Stift angehörenden weitläuftigen Güter, öffnete mir ein
weites Feld zur Übung aller meiner geistigen Kraft, und bot mir tausendfache
Gelegenheit, Gutes zu wirken.
    Mein Freund lebte indessen als auswärtiger Gesandte seines Monarchen,
abwechselnd an mehreren, zum Teil weit entfernten Höfen, und der blendende
Glanz der ihn in seinem jezigen Wirkungskreis umgab
