 »führ' ihn
herein.« - Sie wollte zu seinem Empfang aufstehen, war aber sichtlich zu
schwach, dass ich sie in meinen Armen aufrecht halten musste. Wie Herr Maitland
mich erblickte, leuchtete die freudigste Überraschung aus seinen Augen. »Miss
Percy«! war alles, was er sagte, aber ich hätte diese Worte und den Blick, mit
dem er sie begleitete, nicht gegen die Schmeichelei der ganzen Welt vertauscht.
In diesem Augenblick war mein gefallsüchtiger Sinn von der Nähe der einfachen
Liebe und Frömmigkeit gefesselt. Miss Mortimer bot ihm von den aufgetragenen
Früchten an, wobei sie einen Wink fallen ließ, der ihre Vermutung, dass er der
Geber derselben sein möchte, andeutete. Eine flüchtige Röte zeigte, dass er
verraten war; er nahm sie aber mit der Bemerkung an, dass sie nach einem langen
Fußweg in der Sonnenhitze eine willkommene Erquickung gewährten. »Sie beharren
darauf, an einem Sonntag Ihre Pferde nicht zu gebrauchen?« fragte Miss Mortimer.
- »Meine Geschäfte fordern es selten, und das Vergnügen Miss Mortimer zu
besuchen, ist mit einem Spaziergang um einen sehr wohltätigen Preis erkauft«,
antwortete er mit einfachem Ernst. In dieser Stimmung verflog eine Stunde, ohne
dass von der Welt Tun und Treiben die Rede war. Nur einmal klagte Herr Maitland,
dass seine Hoffnung, das Loos der Sklaven zu mildern, vergeblich gewesen sei.
»Ich fürchte aber, setzte er hinzu, ich bedurfte dieser Belehrung. Warum lassen
wir Menschen uns beikommen, unserm obersten Herrn allein vorschreiben zu wollen,
zu welchen Diensten er uns brauchen soll?« - O diese Lehre bedarf Niemand so
sehr, wie ich! rief Miss Mortimer; wie oft fühle ich mich zum Murren versucht,
bei der Aussicht, vielleicht noch Jahre lang in diesem ganz nutzlosen Zustand
hinzuleben! - »Nennen Sie ihn nicht nutzlos«, sagte Maitland, und der Glanz
seiner Augen wurde von einer Träne gedämpft, »nennen Sie einen Zustand nicht
nutzlos, in welchem Sie durch Mut und Milde Andern den Weg zum Himmel zeigen,
indem Sie ihn gehen! Bedenken Sie, dass Gottes Güte wohl herrlich erscheint, wenn
er seine Menschen beglückt; aber ungleich mächtiger noch, wenn sein Geist, indem
er ihnen alle Glücksgüter entzogen hat, ihren Geist freudig erhält.« - Wie
konnte ich unempfindlich bleiben bei einer Ansicht der Dinge, die Maitlands
starke Seele durchdrang, und die schwache Leidende, deren hinwelkende Gestalt
ich umfasste, über Leben und Welt emporhob. Ich fühlte in diesem Augenblick eine
unaussprechliche Sehnsucht, ihren Seelen nachzustreben in ihrem erhabenen Flug,
und im Gefühl meiner Unfähigkeit sagte ich leise unter Tränen, mein Antlitz an
Miss Mortimers Schulter gelehnt: »Beten Sie für mich! beten
