 sich jetzt noch die
Erklärung des Kaufmanns, der mir bisher meine Arbeiten bezahlt hatte: dass ich
sie wohlfeiler geben müsse, als bisher, weil sich zu wenige Käufer dafür fänden.
- Wohlfeiler, wie bisher, wo ihr Lohn kaum meine dringendsten Bedürfnisse
gedeckt hatte! - Das war, ohne zum Hungerleiden gebracht zu werden, nicht
möglich. Wie unmöglich es sei, einen andern Erwerb zu finden, hatte ich aus
eigener Erfahrung gelernt; wenn dieser mir gebrach, war ich dem Verderben
dahingegeben. Bei den Obliegenheiten, die ich gegen Julie übernommen, war es mir
sogar unmöglich geworden, einen Dienst als Stubenmagd zu suchen; denn wer sollte
sie pflegen? wer ihren armen Knaben, an den das innigste Wohlwollen mich band?
Unentschlossen und trostlos wandelte ich nach Hause. Der Abend brach ein, ich
fand Julie eingeschlafen und blieb, ihren kleinen Sohn durch leisen Gesang still
erhaltend, an dem Fenster sitzen. Der Mond spiegelte sich mit mattem Strahl in
den großen blauen Augen des blassen, sanften Kindes, es sah so vertrauend und
doch so wehmütig zu diesem Nachtgestirn auf, das so oft meine Tränen
beleuchtet hatte. Auch jetzt flossen sie langsam und einzeln über meine
angstglühenden Wangen. Ach in solchen Stunden »gehen die Geister unsrer Sünden
vor uns vorüber!« Ich hatte nun zu viel gelernt, um mich gegen meinen
himmlischen Vater zu empören, und die Erinnerung meiner frühern Torheiten
verwies mich auf das dringende Bedürfnis der strengen Schicksalsschule, in der
ich mich befunden. Das war ein trauriger, mutloser Abend! Doch er ging vorüber
und die Stunde kam, wo es dem mit Gott befreundeten Gemüt täglich durch den
Gang der Natur, so nahe, so überzeugend nahe gelegt wird, dass sein Schicksal in
einer höheren Hand ruht. Sollten wir ohne diesen Gedanken uns je der süßen
Hülflosigkeit des Schlafes hingeben dürfen? Erneut er uns nicht jeden Abend den
Beweis, dass wir durch die Natur unsers Daseins genötigt sind, einen so großen
Teil unsers Daseins hindurch ihm widerstandslos zu vertrauen, und sollte nicht
jeden Morgen mit unserm Bewusstsein der Gedanke erwachen, dass eine höhere Hand
uns geschützt hat? - Hülflos und ratlos warf ich mich diesen Abend mit
unbedingter Zuversicht an Gottes Vaterherz und erwachte am Morgen mit gestärktem
Mut und dem heiligen Vorsatz, heute jeden, auch den bittersten Schritt zu tun,
um mich aus meiner Not zu erheben.
    Das einzige Mittel, das ich zum vorteilhaftern Verkauf meiner Arbeiten und
vielleicht zu sicheren Bestellungen hatte ersinnen können, war, die Gefälligkeit
unsrer Hausfrau anzusprechen, dass sie solche in den Häusern, wo sie ihr Beruf
hinführte, anbieten möchte. Dieser Entschluss kostete mir unaussprechlich viel.
Frau Kampell war bisher keineswegs von meiner Lage unterrichtet; nicht dass ich
mich schämte
