, liebenswürdig zu erscheinen, und sogar durch den bloßen
Anblick zu gefallen.«
    »Sollte denn aus diesen Tableaus, über welche wir so viel streiten, nicht
auch für die Kunst manches Gute entstehen können?« fragte Auguste von
Willnangen.
    »Dochwohl nur, indem sie mehr Teilnahme an ihr und ihren Erzeugnissen
aufregen,« erwiderte Ottokar, »sonst glaube ich nicht, dass sie in dieser
Hinsicht von großem Nutzen sind. Sie bleiben doch nur die Kopie einer Kopie der
Natur, und zwar eine unvollkommne, denn vieles muss aus jedem Gemälde hier
wegbleiben, das doch durchaus dazu gehört, die Hintergründe, die Architekturen,
die Landschaften, das Gewölk.«
    »Eine angenehme, gesellige Unterhaltung zur Abwechselung mit den ewigen
Charaden und Sprichwörtern scheinen sie mir doch wenigstens zu bieten,« sprach
Frau von Willnangen, »auch hoffe ich, sollen sie dazu beitragen, die unseligen
Jeux d'esprit aus der Gesellschaft zu verbannen, in welchen der arme Geist so
gemartert wird, um zu erscheinen, dass er sich endlich ganz in Langeweile
auflöst. Nur tut es mir leid, dass die Vorbereitungen zu Tableaus für die kurze
Dauer ihrer Erscheinung zu viel Zeit und Mühe kosten.«
    »Alles lässt sich vereinfachen,« erwiderte Ernesto, »und ich getraue mir mit
sehr wenigen Vorrichtungen, ganz aus dem Stegreif, dennoch manches Ergötzliche
in dieser Art Ihnen vorzuführen. Wir brauchen zum Beispiel nur diese Flügeltür
auszuheben, einen Vorhang vorzuhängen, eine große spanische Wand dahinter zu
stellen, und wir haben das Lokal dazu. Einige große Lampen, oder ein Paar
Dutzend zu einer Fackel vereinigte Wachslichter, und die Beleuchtung ist fertig.
Schminke und etliche falsche Bärte für die Herren sind bald herbeigeschaft, und
wenn die Damen ihre schönen Schawls zur Garderobe herleihen wollen, so lässt sich
mit diesen wenigen Requisiten schon manch guter und glänzender Effekt
hervorbringen. Auch für die Kunst selbst könnte auf diese Weise Bedeutendes
geschehen, wenn die Gesellschaft einem Künstler erlaubte, mit ihrer Hilfe nicht
bloß schon vorhandene Gemälde nachzubilden, sondern seine eignen Gedanken, die
oft noch beinah formlos ihm vorschweben, auszuführen. Manches erfreuliche
Kunstwerk könnte diesem Spiele seine Entstehung verdanken, wenn ein talentvoller
Künstler auf diese Weise gleichsam ein Vorbild von dem sähe, was er auszuführen
Willens ist; der Zufall würde manches ordnen, manches in ihm erwecken, an das er
außerdem nie gedacht hätte, und der aus solchen Proben für die Kunst entstehende
Gewinn könnte leicht unschätzbar werden.«
    Kaum hatte Ernesto geendet, als schon Auguste von Willnangen und Fanny
Silberhain fröhlich aufsprangen und ihn mit Bitten bestürmten, gleich auf der
Stelle eine solche Darstellung anzuordnen. Ottokar, Antonius und der größte
Teil der Gesellschaft, selbst Frau von Willnangen nicht ausgenommen,
vereinigten ihre
