 erwiderte der Professor, »dass ich
Sie daran erinnere, wie untrennbar die Neigung zur Eitelkeit von jeder höheren
Natur ist, die man die organische zu nennen pflegt; bemerkt man sie doch sogar
an einigen der edleren Tiergattungen. Sie ganz ausrotten zu wollen, wäre eben
so vergeblich als schädlich, so wie alles, was gegen die Natur anstrebt. Es ist
vielleicht unschicklich, hier den nackten Wilden als Beweis, wie tief der Hang
zum Putz in unserem Wesen liegt, anzuführen, der sich tattowirt und mit grellen
Farben bemalt um sich zu verschönern, aber blicken Sie nur um sich her, Sie
finden bei Reichen und Armen dasselbe, nur anders gestaltet. Dass man sich, schön
geschmückt, auch Andern gerne zeigt, ist ebenfalls natürlich und war es vom
Anbeginn der Welt. Damals, als Weichlichkeit und Prachtliebe das alte Rom seinem
Untergange näher führten, war es unter den vornehmen Römerinnen gebräuchlich,
sich, wenn sie einander besuchten, nicht nur auf das herrlichste zu schmücken,
sondern sich auch durch ihre Sklavinnen mehrere reiche Gewänder und Schmuck
nachtragen zu lassen, die sie im Hause der den Besuch empfangenden Dame alsdann
sich anlegen ließ, wie Sie alle, meine Gnädigen, aus der weltberühmten
Anekdote der Mutter der Grachen längst wissen werden. Man behauptet, dass diese
Sitte auch unter den, allen männlichen Augen verborgen lebenden, vornehmen
Frauen des Orients noch heut zu Tage im Schwange sei. Aber wie ärmlich, wie
unbequem, wie ungraziös selbst erscheint diese Art von Schaustellung gegen eine
Reihe von Tableaus, welche die glücklichste Wahl unter den Kostüms aller Völker,
aller Jahrhunderte frei lassen. Die Pracht der Steine und der Gewänder erscheint
in ihnen nur als das begleitende Attribut der Schönheit, des geistreichen
Ausdrucks und der anmutigsten Stellungen, und wir können es in der Tat der
Gräfin Rosenberg nicht genug verdanken, dass sie mit diesem erhöhten Genuss uns
bekannt machte.«
    »In welchen wunderlichen Zeiten leben wir! ein Professor muss gegen Damen die
Eitelkeit in Schutz nehmen!« rief ein alter Herr.
    »Mich dünkt, wir leben in einer in dieser Hinsicht recht verständigen Zeit,
in welcher man endlich einmal aufhört, die Frauen allein eines Fehlers zu
beschuldigen, den ich am liebsten eine Tugend nennen möchte,« erwiderte schnell
Ottokar. »Wir Männer mögen uns noch so weise anstellen,« fuhr er lächelnd fort,
»wir sind eben so wenig frei von ihm als die Frauen, und ich danke Gott dafür.
Der Hang zum Gefallen erscheint mir als die Würze des geselligen Lebens, als die
Wurzel aller seiner Freuden und Tugenden, die ohne ihn zu Grunde gehen müssten.
Man täte ja am besten, in Höhlen und Wälder zu ziehen, wenn niemand mehr das
Bestreben zeigen wollte
