 seiner Reise nach
Italien nachforschen will. Nicht minder aus einer gewissen reuigen Wehmut, die
ihn leicht bis zu Tränen bewegt, wenn er der letzten Tage gedenkt, die er in
Schloss Aarheim verlebte. Dem sei wie ihm wolle, ich danke den Göttern, für ihn
und mich, dass wir einander fanden. Was ich für ihn tue, ist alles und nichts;
das hohe Gelingen lohnt mir tausendfältig. Schön und traurig, wie ein Antinous,
stand er vor mir bei unserm ersten Zusammentreffen, und erregte schon durch
seine äussre Erscheinung das lebhafteste Interesse; aber sein Festalten an mir,
da er mich erkannte, sein Ergeben in meinen Rat, in meine Leitung gewann bald
bei dieser seiner rüstigen Jugendkraft, etwas so unaussprechlich Rührendes, dass
ich mich seiner hätte annehmen müssen, und hätte es mich auch das höchste Opfer
gekostet. Und so entstand denn eine Verbindung, die mir jetzt gegen das Ende
meiner irdischen Laufbahn die höchste Freude gewährt. Denn was kann belohnender
sein, als der Anblick einer edlen kräftigen Natur, die aus geistiger und
irdischer Verirrung mancherlei Art sich tapfer loswindet, und dabei das selige
Bewusstsein, ihr hilfreich und schützend zur Seite zu stehen. Sie, Gabriele! mögen
immer das schöne Gefühl mit mir teilen; Sie haben mir kräftig vorgearbeitet, so
kräftig, dass ich oft Sie zu sehen und zu hören glaube, wenn er recht aus dem
Herzen spricht oder handelt. Und so ist es billig, dass auch Sie sich Ihres Werks
erfreuen mögen.«
Still und ruhig hatte Ottokar indessen seit mehreren Jahren in Rom gelebt, in
selbsterwählter Zurückgezogenheit von öffentlichen Geschäften und
Ehrenbezeugungen, nur mit sich, seinem Knaben, der Natur, der Kunst, und wenigen
auserwählten Freunden. Tausend sehr ernste Erfahrungen hatten ihn endlich
überzeugt, dass nur in der Kunst, entsagen zu können, der ächte Stein der Weisen
verborgen liegt. An Aureliens marmor-glatter und kalter Natur waren alle seine
Versuche fruchtlos abgeglitten, sie sich und dem ächten Genuss des Lebens zu
gewinnen. So hatte er sie denn endlich aufgegeben, und begnügte sich damit,
seine Gemahlin nach der von ihr selbst gewählten Weise das Glück suchen zu
lassen, indem er ihr Geld und Freiheit gab, so viel sie bedurfte oder verlangte.
Ersteres machte sein großes Vermögen und eigne Genügsamkeit ihm möglich, und dass
Aurelia ihre unumschränkte Freiheit nie auf eine, seine Ehre verletzende Weise
missbrauchen könne, dafür bürgte ihm ihr Stolz auf die einzige Frauentugend, die
sie eigentlich anerkannte, und zu deren strenger Richterin sie sich überall
aufwarf. Der kleine Herrmann, Ottokars sehr anmutig heranwachsender Knabe,
gewährte ihm wenigstens einen Teil des häuslichen Glücks, nach dem er sich
stets gesehnt und das er leider an Aureliens Seite nie hatte finden
