. Er blickte um sich, und ihn ergötzte das Spiel der fast noch
horizontal fallenden Sonnenstrahlen, die hin und wieder, durch Lücken und
Mauerspalten dringend, in einzelnen feurigen Lichtern durch das tiefste Dunkel
auf den vom Rauch geschwärzten Mauern glänzten. Er stand in dem Teil des
Flügels, der zur Zeit des Brandes, um das Hauptgebäude zu schützen,
größtenteils eingerissen ward, dicht vor einem der gewölbten Eingänge, welche
einst zu den Souterrains führten. Einige ziemlich erhaltene steinerne Stufen
führten noch in die Tiefe des kellerartigen Gewölbes hinab, doch nur wenige
Schritte weiterhin war alles verschüttet. Hippolit blickte in die Tiefe, wo ein
bläulich glänzender Punkt seine Aufmerksamkeit erregte; es war als ob der Reflex
eines einzelnen Sonnenstrahls dort von einer metallnen Fläche zurückgeworfen
würde. Je länger er hinsah, je wunderlicher schien ihm das seltsame Blinken.
Endlich bahnte er sich, nicht ohne Gefahr, den Weg zum Gegenstand seiner
Neugier, und stand bald vor einer, in den Fels, welcher dem Gebäude zur
Grundlage gedient hatte, eingehauenen kleinen Vertiefung. Spuren einer eisernen
Türe, die einst sie verschlossen haben mochte, waren noch sichtbar. Unter
Überbleibseln zerbrochner Gläser, vermoderter Schriften und Pergamente, welche
die Vertiefung anfüllten, glänzte noch immer der Schein hervor, und Hippolit zog
endlich eine kleine Kapsel von weißem Metall aus dem Wuste. Schmutz und Staub
verhinderten ihn, die darauf eingegrabnen Charaktere zu lesen, bis er, in seinem
Zimmer angelangt, den sonderbaren Fund bequemer untersuchen konnte.
    Das Metall, aus welchem die Kapsel bestand, erkannte er für Platina.
Liberorum Salus stand darauf eingegraben. Von sonderbarem Schaudern ergriffen,
schob er sie weit von sich weg, aber die Neugier siegte, er ergriff sie wieder,
und ruhte nicht, bis es seinem Bestreben gelang, sie zu öffnen. Ein ganz
kleines, hermetisch verschlossnes Fläschchen von Bergkrystall funkelte ihm aus
dem schwarzen Sammt, mit dem die Kapsel gefüttert war, entgegen; es war wit
wenigen ganz hellen Wassertropfen angefüllt. Sein Haar sträubte sich bei dem
Anblick. Alles, was Moritz ihm auf dem Wege vom Eisenhammer nach dem Schloss
vertraut hatte, trat plötzlich in furchtbarer Lebendigkeit vor seine Seele. Ihm
war zu Mute, als stände der beunruhigte Geist hinter ihm, den er im wilden Wahn
so oft zur nächtlichen Stunde herbeirief, als beuge die Riesengestalt sich über
ihm weg, um ihm hohnlachend ins Antlitz zu starren. Mit abgewandtem Blick schloss
er die Kapsel wieder, vergrub sie tief im verborgensten Fach seines
Schreibtisches unter Papieren, und eilte dann hinaus, als folge das Verderben
ihm auf dem Fuße.
Alles in Schloss Aarheim gewann eine andre Gestalt, so wie der Herbst näher
herankam. Gabrielens Zeitordnung ward verstört, zwischen den alten Mauern
wimmelte es von modernen geputzten
