 gewesen?
    Wie oft hast du diese Gestirne leuchten gesehen, und haben sie dich nicht
jederzeit anders gefunden? sie aber sind immer dieselbigen und sagen immer
dasselbige: Wir bezeichnen, wiederholen sie: durch unsern gesetzmässigen Gang Tag
und Stunde; frage dich auch, wie verhältst du dich zu Tag und Stunde? - Und so
kann ich denn diesmal antworten: Des gegenwärtigen Verhältnisses hab' ich mich
nicht zu schämen, meine Absicht ist, einen edlen Familienkreis in allen seinen
Gliedern erwünscht verbunden herzustellen; der Weg ist bezeichnet. Ich soll
erforschen, was edle Seelen auseinanderhält, soll Hindernisse wegräumen, von
welcher Art sie auch seien. Dies darfst du vor diesen himmlischen Heerscharen
bekennen; achteten sie deiner, sie würden zwar über deine Beschränktheit
lächeln, aber sie ehrten gewiss deinen Vorsatz und begünstigten dessen
Erfüllung.«
    Bei diesen Worten oder Gedanken wendete er sich, umherzusehen, da fiel ihm
Jupiter in die Augen, das Glücksgestirn, so herrlich leuchtend als je; er nahm
das Omen als günstig auf und verharrte freudig in diesem Anschauen eine
Zeitlang.
    Hierauf sogleich berief ihn der Astronom herabzukommen und ließ ihn eben
dieses Gestirn durch ein vollkommenes Fernrohr in bedeutender Größe, begleitet
von seinen Monden, als ein himmlisches Wunder anschauen.
    Als unser Freund lange darin versunken geblieben, wendete er sich um und
sprach zu dem Sternfreunde: »Ich weiß nicht, ob ich Ihnen danken soll, dass Sie
mir dieses Gestirn so über alles Maß näher gerückt. Als ich es vorhin sah, stand
es im Verhältnis zu dem übrigen Unzähligen des Himmels und zu mir selbst; jetzt
aber tritt es in meiner Einbildungskraft unverhältnismässig hervor, und ich weiß
nicht, ob ich die übrigen Scharen gleicherweise heranzuführen wünschen sollte.
Sie werden mich einengen, mich beängstigen.«
    So erging sich unser Freund nach seiner Gewohnheit weiter, und es kam bei
dieser Gelegenheit manches Unerwartete zur Sprache. Auf einiges Erwidern des
Kunstverständigen versetzte Wilhelm: »Ich begreife recht gut, dass es euch
Himmelskundigen die größte Freude gewähren muss, das ungeheure Weltall nach und
nach so heranzuziehen, wie ich hier den Planeten sah und sehe. Aber erlauben Sie
mir, es auszusprechen: ich habe im Leben überhaupt und im Durchschnitt gefunden,
dass diese Mittel, wodurch wir unsern Sinnen zu Hilfe kommen, keine sittlich
günstige Wirkung auf den Menschen ausüben. Wer durch Brillen sieht, hält sich
für klüger, als er ist, denn sein äußerer Sinn wird dadurch mit seiner innern
Urteilsfähigkeit außer Gleichgewicht gesetzt; es gehört eine höhere Kultur dazu,
deren nur vorzügliche Menschen fähig sind, ihr Inneres, Wahres mit diesem von
außen herangerückten Falschen einigermaßen auszugleichen. Sooft ich durch eine
Brille sehe, bin ich ein anderer Mensch und gefalle mir selbst nicht; ich sehe
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