 Betragen. Sie starb, und im Augenblicke fühlte der Vater, dass er
diese Sorgfalt persönlich nicht weiter fortsetzen könne. Bisher war alles
Übereinkunft zwischen den Eltern; sie arbeiteten auf einen Zweck, beschlossen
zusammen für die nächste Zeit, was zu tun sei, und die Mutter verstand alles
weislich auszuführen. Doppelt und dreifach war nun die Sorge des Witwers,
welcher wohl wusste und täglich vor Augen sah, dass für Söhne der Professoren auf
Akademien selbst nur durch ein Wunder eine glückliche Bildung zu hoffen sei.
    In dieser Verlegenheit wendete er sich an seinen Freund, den Oberamtmann zu
R., mit dem er schon frühere Plane näherer Familienverbindungen durchgesprochen
hatte. Dieser wusste zu raten und zu helfen, dass der Sohn in eine der guten
Lehranstalten aufgenommen wurde, die in Deutschland blühten und worin für den
ganzen Menschen, für Leib, Seele und Geist, möglichst gesorgt ward.
    Untergebracht war nun der Sohn, der Vater jedoch fand sich gar zu allein:
seiner Gattin beraubt, der lieblichen Gegenwart des Knaben entfremdet, den er,
ohne selbsteigenes Bemühen, so erwünscht heraufgebildet gesehen. Auch hier kam
die Freundschaft des Oberamtmanns zustatten; die Entfernung ihrer Wohnorte
verschwand vor der Neigung, der Lust, sich zu bewegen, sich zu zerstreuen. Hier
fand nun der verwaiste Gelehrte in einem gleichfalls mutterlosen Familienkreis
zwei schöne, verschiedenartig liebenswürdige Töchter heranwachsen; wo denn beide
Väter sich immer mehr und mehr bestärkten in dem Gedanken, in der Aussicht, ihre
Häuser dereinst aufs erfreulichste verbunden zu sehen.
    Sie lebten in einem glücklichen Fürstenlande; der tüchtige Mann war seiner
Stelle lebenslänglich gewiss und ein gewünschter Nachfolger wahrscheinlich. Nun
sollte, nach einem verständigen Familien- und Ministerialplan, sich Lucidor zu
dem wichtigen Posten des künftigen Schwiegervaters bilden. Dies gelang ihm auch
von Stufe zu Stufe. Man versäumte nichts, ihm alle Kenntnisse zu überliefern,
alle Fähigkeiten an ihm zu entwickeln, deren der Staat jederzeit bedarf: die
Pflege des strengen gerichtlichen Rechts, des lässlichern, wo Klugheit und
Gewandtheit dem Ausübenden zur Hand geht; der Kalkül zum Tagesgebrauch, die
höheren Übersichten nicht ausgeschlossen, aber alles unmittelbar am Leben, wie
es gewiss und unausbleiblich zu gebrauchen wäre.
    In diesem Sinne hatte Lucidor seine Schuljahre vollbracht und ward nun durch
Vater und Gönner zur Akademie vorbereitet. Er zeigte das schönste Talent zu
allem und verdankte der Natur auch noch das seltene Glück, aus Liebe zum Vater,
aus Ehrfurcht für den Freund seine Fähigkeiten gerade dahin lenken zu wollen,
wohin man deutete, erst aus Gehorsam, dann aus Überzeugung. Auf eine auswärtige
Akademie ward er gesendet und ging daselbst, sowohl nach eigener brieflicher
Rechenschaft als nach Zeugnis seiner Lehrer und Aufseher, den Gang, der ihn zum
Ziele führen sollte. Nur konnte man nicht
